Rembrandt - der Meister vom Licht

Es gibt ein Sprichwort: „Wo Licht ist, ist auch Schatten“, d.h. auf die Malerei bezogen, dass das eine nicht ohne das andere existieren kann.

Das Bildlicht fasse Hegel unter den Aspekten des „Innerlichwerdens“, der „Subjektivität“ und der „Gegenständlichkeit“: Das „physikalische Element“, dessen sich die Malerei bedient, ist „das Licht als das allgemeine Sichtbarmachen der Gegenständlichkeit überhaupt“. „Im Licht beginnt die Natur zum ersten Mal subjektiv zu werden und ist nun das allgemeine physikalische Ich, dass die bloße Objektivität und Äußerlichkeit der schweren Materie aufhebt, und von der sinnlichen, räumlichen Totalität derselben abstrahieren kann. *1

Licht bezeichnete Leonardo da Vinci in folgender Weise:
„Der Schatten leitet sich her von zwei einander unähnlichen Dingen, das eine von diesen ist körperlich, das andere geistig (spirituale). Das Körperliche ist der dunkle, Schatten tragende und verursachende Körper, das Geistige ist das mitgeteihe Licht.“ *2

Das Licht ist sehr wichtig, wenn man über Tiefe, Dramatik und Präsenz eines Bildes spricht. Was ist das Licht? Ein Kontrast zwischen hell und dunkel. Ein starkes Bild erzeugt Emotionen, die beim Betrachter manchmal so stark werden können, so inspirierend, dass man einfach nah dran ist am Glück. Der Weg zu diesen Emotionen entsteht durch die Fähigkeit und die Kraft durch das gesetzte Licht.

Neben den vielen Malern ist Rembrandt nicht die Ausnahme, die uns mit dem Licht verwundern kann. Das könnt Ihr noch bis zum 01.03.2020 in der Ausstellung „Inside Rembrandt“ im Wallraf-Richartz-Museum, Köln, anschauen. Die Bewunderung für Rembrandt ist 350 Jahre nach seinem Tod ungebrochen. Seine Werke sind auch im digitalen Zeitalter allgegenwertig, Ausstellungen seiner Bilder und Graphiken begeistern die Betrachter. Mal lachend und grinsend, mal überrascht und besinnlich bestaunen wir seine Kunstwerke. 111 Werke von Rembrandt sind ins Museum gehängt worden. Wunderschöne Leihgaben stammen unter anderem aus dem Amsterdamer Rijksmuseum.

Rembrandt Harmenszoon van Rijn gilt als einer der bedeutendsten und bekanntesten niederländischen Künstler des Barocks. Der Künstler und Maler Rembrandt verwendete für viele seiner bekannten Gemälde und Grafiken einen bestimmen Lichtstil (Portraitlicht). Rembrandt beschäftigte sich viele Jahre intensiv mit Licht und Schatten und studierte dessen Wirkung. Er war ein Perfektionist in der Richtung Ausleuchtung eines Bildes. Daher entstand letztendlich auch das nach ihm benannte „Rembrandt Licht“, welches er durch seine Malerei als stilistisches Mittel etablierte.

Beim „Rembrandt-Licht“ erzeugt der Nasenschatten ein Lichtdreieck auf der Wange. Ein Großteil des Gesichts liegt im dunkel. Man kann trotzdem die Mimik „lesen“, weil die wichtigen Bereiche Augen und Mund vom Licht erfasst sind. Wir empfinden natürlich alles Mögliche, wenn wir vor der Rembrandt-Licht stehen, aber die so Porträtierten wirken dadurch besonders tiefgründig, weise, charakterstark und vielschichtig. Das Lichtdreieck auf der dunklen Gesichtsseite und das Auge der Schattenseite wirken magisch auf den Betrachter. Sobald das Dreieck nicht mehr diese geschlossene Form aufweist, spricht man nicht mehr vom typischen „Rembrandt-Licht“.

Das „Rembrandt-Licht“ wird bis heute bei der Ausleuchtung von Filmsets eingesetzt, damit man bestimmte Details besser oder auch schlechter sieht. Durch diese Kennzeichnung kann ein Bildobjekt expressiv und eine Situation dramatischer erscheinen. Durch diese Lichtgestaltung fühlen wir uns gerührt und können die ganze Kunst als etwas Wunderbares, Freies empfinden. 01-2020 Inga Khapava

*1 Zitiert nach: Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik' ’ Dritter Band (Gg. Wilh. Friedr. Hegel, Sämtliche Werke, hrsg. von Hermann Glockner, Bd. 14), Stuttgart 1954, S. 12, 19, 23, 24, 25, 64, 25/26, 26, 62.) Lichtung und Verbergung in Werken der Malerei LORENZ DITTMANN
*2 Leonardo da Vinci, Das Buch von der Malerei übersetzt und erläutert von Heinrich Ludwig (Eitelberge Quellenschriften für Kunstgeschichte, Bd.XV-XVIl), Wien 1882, Abschnitt 547.)