Maakera. Pronks 1988

Der wohl bekannteste zeitgenössische estnische Bildhauer Mati Karmin wurde 1959 in Tartu geboren. In Tallinn studierte er am Staatlichen Kunstinstitut der Estnischen Sowjetrepublik Bildhauerei und war von 1986 bis 1997 Dozent an der Estnischen Kunstakademie. !988 war er dem estnischen Künstlerverband beigetreten und war von 1992-1995 dessen Präsident. Im Jahr 2000 nahm der seine Unterrichtstätigkeit an der Höheren Kunstschule in seiner Heimatstadt Tartu auf, seit 2001 ist er dort Professor.

Künstlerisch trat Karmin1981 in die Öffentlichkeit mit seiner Skulptur Militäär-rebane (Militär-Fuchs), die er aus korrodiertem Altmetall schuf. In der Folge wurde er als Bildhauer vor allem mit seinen Großskulpturen im öffentlichen Raum bekannt, über zwanzig seiner Großskulpturen sind in Estland zu finden. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist „Ruja“ ein skurriler, überdimensionaler Raketenphallus in Haapsalu.

Karmin experimentiert gern mit verschiedensten Materialien. Bei seinen Arbeiten zeigt er seine Meisterschaft in den verschiedensten Materialien. Er schuf fast filigran anmutende abstrakte Metallskulpturen, figürliche Metallarbeiten, wuchtige Bronze- und Stein- Skulpturen, zahlreiche Denkmäler, dazu Reliefs und Büsten. Für seine Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet. Karmins Arbeiten zeigen oft Widersprüche auf wie den Streit der Werte, das Aufzeigen von Vordergründigem und subtil Hintergründigem, dazu ein Hinterfragen von Traditionen und das Verwischen der Grenzen zwischen den Kunstformen. 

Immer beschäftigte sich Karmin auch mit Themen der estnischen Geschichte, zuweilen auf sehr raffinierte Weise. Ende der 1990er Jahre startete Karmin sein wohl größtes Projekt, bei dem er die Grenzen von Kunst und Design verwischt. Er arbeitet mit alten Seeminen, einer Hinterlassenschaft des Zweiten Weltkriegs und der Sowjetzeit vor Estlands Küsten. Vor ihrem Abzug entfernte die Rote Armee den explosiven Inhalt der Minen. Die leeren Minenhüllen blieben zur Verschrottung zurück. Karmin entdeckte den Schrott und fand eine neue Nutzung. Aus den Minenkörpern schuf er metallene Kunstobjekte, die Möbeln ähneln und auch als solche genutzt werden können. So wird auch im Alltag auf sehr hintergründige Weise die Absurdität alles Kriegerischen präsent.

Präsentation: Karmin ist vor allem als Schöpfer monumentaler Skulpturen und Denkmäler im öffentlichen Raum bekannt geworden, so bei den Denkmälern für die Opfer des Untergangs der Estonia in Tahkuna, 1995 und in Pärnu 1997. 08-2017 Jäger-Dabek