Literatursalon EUTERPE - die einzige Möglichkeit für einen sinnvollen Austausch

Russland hat stets eine aggressive Politik gegenüber Georgien betrieben. Die Aggressionen erreichten im Kaukasuskrieg von 2008 seinen traurigen Höhepunkt – seitdem befindet sich nach Abchasien auch Südossetien unter russischer Besetzung. Seit der Unabhängigkeit Georgiens vor fast 30 Jahren versucht Russland immer wieder Einfluss auf den politischen Werdegang des Landes zu nehmen und tut alles, um die Westorientierung des Landes zu behindern. Nichts desto trotz hat die EU für Georgien die Visa-Freiheit beschlossen. Georgien kann stolz auf seine Leistungen sein und das ganze Land freut sich, der Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zu sein. Prof. Manana Tandaschwili hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Georgische Literatur dem deutschsprachigen Publikum präsentiert werden kann.

Nach dem Krieg 2008 organisierte Manana Tandaschwili als Aktivistin eine Protestaktion in Deutschland; gleichzeitig fragte sie sich aber auch, wie man Literatur so verwenden kann, dass man eine Bühne/Plattform erhält, um über Themen wie georgische Kultur, georgische Mentalität und die politische Entwicklung in Georgien zu sprechen – unter anderem über fast drei Jahrzehnte der  Unabhängigkeit, die von ständigen Regimewechseln geprägt waren, was zu einer Orientierungslosigkeit führte, die in der Bevölkerung bis heute tief verankert ist.

Manana Tandaschwili gründete 2009 den Literatursalon „EUTERPE“ in Frankfurt, der bis heute hervorragende Bücher mit Autoren*innen aus Georgien übersetzt und herausgegeben hat.

Der Literatursalon EUTERPE hatte seit seiner Gründung über 30 georgische Autoren zu Gast. Veranstaltet wurden mehr als 120 Literaturabende in Form von Autorenlesungen, Buch-präsentationen und Podiumsdiskussionen, die in der Romanfabrik, der Buchmesse Frankfurt und der Buchmesse Leipzig, aber auch in verschiedenen Städten in Deutschland, der Schweiz und Georgien stattfanden.

Die Erfolgsbilanz: sechzehn in Deutschland herausgegebene Bücher, darunter drei Anthologien.  Das erste Projekt des Literatursalons war eine Anthologie „Georgische Gegenwartsliteratur“, deren Inhalt Manana Tandaschwili selbst zusammengestellt und beim Reichert Verlag herausgegeben hat. Die Anthologie gibt einen Einblick über die geschichtliche Entwicklung des Landes - angefangen mit den 1990er, dem Krieg in Abchasien, der Generation die verloren ging bis zum zweiten Kriegsausbruch 2008.

Nach der Präsentation dieser Anthologie in Forum Dialog auf der Frankfurter Buchmesse 2010 ging mit diesem Buch in der Hand der damaliger Kultusminister Georgiens Nika Rurua zu Jürgen Boss, Direktor der Frankfurter Buchmesse, um über die Möglichkeiten des Auftrittes von Georgien als Gastland der Frankfurter Buchmesse zu sprechen. Das war, meint sie, ein entscheidender Moment, der den Stein ins Rollen brachte, wodurch es Georgien ermöglicht wurde, Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2018 zu werden.

Alles über den Literatursalon EUTERPE und die moderne georgische Literatur:

www.literatursalon-euterpe.de/index.php

Als ich  beim Literatursalon EUTERPE war und Frau Manana Tandaschwili kennenlernte, schenkte Sie mir ein ganz besonderes Buch. „Der Recke im Tigerfell“ (vepxistqaosani) – ein altgeorgisches Epos von Schota Rusthaweli, da im Jahr 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe erklärt wurde. Dieses Epos besteht aus 1671 Strophen. Die deutsche Nachdichtung ist von Hugo Huppert. Herausgegeben von Jost Gippert und Manana Tandaschwili.

Das Buch beschreibt wie Georgien ein wichtiger Teil des damaligen Weltgeschehens war – sowohl politisch als auch gesellschaftlich und kulturell. Die Schönheit der Rusthaweli Poesie liegt darin, dass er allegorisch und metaphorisch von Liebe und den Weisheiten jener Zeit berichtet.

Über die göttliche Liebe schreibt Rusthaweli im Prolog:

„Ja, der Liebe heimlich Wesen übersteigt die Kraft des Weisen.
Müde würden Mund und Ohren, wenn gälte, sie zu preisen.
Ich besang bloß Sinnestriebe und die Schönheit ihrer Weisen,
die nicht lüstern schweifen, sondern sehnsuchtsvoll nach oben weisen.“

08-2018 Inga Khapava