Lika Bibileishvili Portrait

Zu dieser Künstlerin möchte ich den Ausspruch von Oscar Wilde heranziehen:
"Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert". Diese außerordentlich begabte, wie ebenso sympathische junge Pianistin, wurde 1988 in Batumi/Georgien geboren, lebt und wirkt seit 2008 in München, wo sie ihr Studium bei Prof. Franz Massinger an der Hochschule für Musik und Theater begann und 2011 bei dem renommierten Klaviervirtuosen Prof. Volker Banfield fortsetzte. Seit 2014 studierte sie in der Klasse des bekannten Pianisten Antti Siirala. Lika Bibileishvili hat 2015 natürlich auch ihr Masterstudium mit Auszeichnung abgeschlossen. In München besuchte sie Meisterklassen und Meisterkurse von Musikergrößen, wie Elisso Virsuladze, Ruvim Ostrovsky, Naum Starkmann und Dimitri Bashkirov. In ihrer Heimat war sie bereits mit 10 Jahren Schülerin in der Klavierklasse von Prof. Medea Shaladze und absolvierte während ihrer Studienzeit mit dem Orchester Adscharien viele Konzerte. Neben dem vielfältigen Repertoire (Bach, Beethoven, Mozart, Haydn, Schumann, Chopin, Liszt, Debussy, Ravel, Rachmaninow, Skrjabin, Bartok, Prokofjew, Enescu, Ligeta u.a.), das Lika sich ohnehin schon mit ihren Lehrern in Georgien und Deutschland erarbeitet hatte, befasste sie sich ab 2013 mit der zeitgenössischen Musik des Wilfried Hiller, einem der erfolgreichsten Gegenwarts-Komponisten, der ihr auch Uraufführungen seiner Werke anvertraute. Sie ist Stipendiatin der von Yehudi Menuhin gegründeten Organisation „Live Music Now“, die mit den von ihr geförderten MusikerInnen Konzerte für Menschen arrangiert, denen aufgrund ihrer Lebenssituation sonst der Genuss von Livemusik verwehrt bliebe. Im Rahmen dieses Vorhabens absolviert sie eine Vielzahl von Auftritten, neben den eigenen Konzerten und Festival-Teilnahmen. Darüber hinaus gibt sie für Fortgeschrittene Klavierunterricht an der Klavierschule München. Lika Bibileishvili überzeugt bei ihren musikalischen Darbietungen mit einer Symbiose aus grandioser Virtuosität, bezaubernder Leichtigkeit und tiefer Emotionalität. Ohne jeden Zweifel, Lika hat Brillianz und Fortune um das Publikum, sicher auch einmal der ganz großen Häuser dieser Welt, in Begeisterung zu versetzen.

"Mich fasziniert am Klavier, dass es unbegrenzte Möglichkeiten im Tonklang und in der Harmonie hat. Es ist eines der perfektesten und wichtigsten Instrumente überhaupt in der Musikwelt. Ich möchte meine Zuhörer mit meiner tief gefühlten Musik begeistern. Mein Ziel ist es, dass jeder Ton zu den Herzen der Menschen durchdringt." Lika Bibileishvili

Lika Bibileishvili, Klavier Debüt-Album

Mit ihrer im Februar 2018 beim Münchener Label FARAO classics veröffentlichten Debüt-CD präsentiert uns Lika einen Teil ihrer Lieblingsstücke mit Finesse, emotional und stilsicher.
Sergej Prokofjew - Klaviersonate Nr. 6, op. 82
Maurice Ravel - Gaspard de la Nuit
Jean Sibelius - Aus 13 Klavierstücke, op. 76
Bela Bartok - Sonate für Klavier, Sz 80
Spieldauer 78:10, aufgenommen im Juli 2017 im Kupferhaus Planegg

"Lika Bibileishvili ist ein Edelstein unter den Pianisten der jungen Generation. Sie spielte meine Klavierzyklen KOSMOS und BUCH DER STERNE mit einer brillianten Technik und einer Klangsinnlichkeit, die ihresgleichen sucht. Unter ihren Händen wird jeder Flügel zu einem Feuerwerk." Wilfried Hiller

Lika Bibileishvili Gespräch vom 29. Mai 2017 in München

Tilo Herde, dpr:
Wir sind heute zusammengekommen, um ein wenig über Kunst zu sprechen, über das Land Georgien und darüber was das eine mit dem anderen zu tun hat. Was ich durch viele Begegnungen aufgenommen habe ist, dass Georgien sehr viele interessante Musiker und Musikerinnen hervorgebracht hat. Aber insbesondere auch viele herausragende Pianistinnen - und eine davon bist du. Deswegen wollen wir uns ein wenig unterhalten. Wie bist du zur Musik gekommen? Meistens ist es ja so, dass man das schon irgendwo als Kind in die Wiege gelegt bekommt oder in deinem Fall als kleines Mädchen an die Musik herangeführt wird; wie ist das bei dir genau gewesen?

Lika Bibileishvili:
Ganz lustig. Als dreijähriges Kind hatte ich im Fernseher einen Pianisten gesehen und war sehr verliebt in dieses Instrument und habe einfach immer gerne geschaut wie es aussieht, wenn ein Pianist spielt. Später als ich dann im Kindergarten war, saß ich stundenlang am Klavier. Und unsere Musiklehrerin im Kindergarten hat meine Mama angerufen und gesagt: Dieses Kind ist verliebt in das Instrument, ihr müsst was daraus machen. Und diese Lehrerin hat dann angefangen mir Unterricht zu geben als ich vier Jahre alt war. Irgendwelche Lieder, singen, spielen und so weiter. Und dann später mit sieben bin ich offiziell in die Schule gegangen. Aber – ich konnte alles spielen, ich konnte alle Noten. Mit neun Jahren war ich dann bei einer sehr strengen Lehrerin. Sie hat mich gezwungen, jeden Tag zwei bis drei Stunden zu üben, wie alle anderen Kinder in ihrer Klasse, und das haben wir gemacht. Meine Mama hat gesagt ich muss unbedingt mitmachen – sie war auch eine sehr disziplinierte Frau – und später, wenn ich Musikerin werden will, dann kann ich nicht sagen in der Kindheit hätte ich Zeit verloren und sie hätte nichts gemacht und deshalb wäre es dann zu spät. Deshalb haben sie mich aufgefordert in diesem Rahmen jeden Tag zu üben und alle Konzerte mitzumachen – damit, wenn ich dann sechzehn, siebzehn bin, und Musikerin werden will, ich auch wirklich fit dafür bin. Das ist so passiert. Mit fünfzehn habe ich gedacht: ja, das ist ein schöner Beruf. Mein Ziel war, Konzertpianistin zu werden und nichts anderes. Und unbedingt Solopianistin. Das war mein Traum. Dann ist es so gekommen. Wegen der großen Förderung meiner Eltern über eine sehr lange Zeit und die strenge Lehrerin, die alle diese Sachen erzwungen hat – sonst wäre es mir heute nicht möglich so zu spielen. Man braucht diese Übung von Kindheit an. Je früher desto besser.

Tilo:
Musik machen ist fast wie Ski laufen. Nur wenn man schon als Dreijähriger auf den Brettern steht, kann man ein guter Skiläufer werden. Und so glaube ich ist es auch mit Musik generell – mit Klavier sowieso. Interessant ist, gerade weil es viele Pianistinnen gibt, dass mit dem Klavier eine besondere Ausdrucksstärke zu transportieren ist: man kann damit sehr viel Klangvielfalt generieren und man hat sehr viele, auch rhythmische Möglichkeiten. Ich denke, es ist eines der Instrumente, mit dem man sich sehr stark emotional ausdrücken kann.

Lika:
Sehr selbstständig, ja. Ein solches Instrument braucht keine Ergänzung. Es ist so wie es ist und damit ist eben alles zu machen. Alle Farben, alle Klänge. Es ist auch an eine Reihe Schwierigkeiten gebunden, aber trotzdem kann man viele verschiedene Schichten zeigen, viele Stimmen und es ist harmonisch vollständig, so dass man keine andere Ergänzung braucht. Außer man spielt mit einem Orchester. Aber das ist dann was anderes.

Tilo:
Ja. Aber wie es im Leben halt oft ist - das eine ist die Förderung von zu Hause, die Begeisterung schon in Kinderschuhen, die Förderung von Menschen, die um einen herum sind - aber ich denke ganz wichtig ist, dass man zu dem richtigen Zeitpunkt an die richtigen großen Lehrer oder Meister kommt, bei denen man lernen darf, mit denen man spielen darf. Und das hat ja bei dir auch schon in Georgien angefangen.

Lika:
Ich habe in Georgien die sehr gute Lehrerin, Nana Shaladze, gehabt bis ich siebzehn Jahre alt war und bei ihr ein sehr großes Repertoire gelernt. Dann bin ich 2008 nach Deutschland gekommen. Ich kann sagen das erste Jahr war ein bisschen lockerer, weil ich nichts kannte, mich ganz neu fühlte, alles war halt ganz anders - Gewöhnungszeit sozusagen, das erste Jahr. Dann hat die harte Arbeit angefangen. Ich war bei Professor Volker Banfield, der sehr streng gewesen ist, wie ich schon gesagt habe. Dann habe ich angefangen, richtig ordentlich zu üben. So, dass ich viele Sachen in schneller Reihenfolge und sehr guter Qualität spielen konnte. Das war dieser Prozess, wo ich keine lockere Zeit mehr hatte und das war wahrscheinlich die wichtigste Zeit in Deutschland für mich.

Tilo:
Wie wird es sich weiterentwickeln? Du hattest die erfreuliche Situation, Förderung und Unterstützung zu erfahren. Wir hatten schon mal darüber gesprochen. Über diese Live Music Now Organisation. Oder auch andere, die dein Wirken unterstützt haben. Auch finanziell ein bisschen dazugetan haben, damit du in Ruhe weiterarbeiten und zum Beispiel deine Meisterkurse belegen konntest. Und es gab noch etwas Erfreuliches, was sich anschloss: du hast mit Bravour den Master gemacht. Aber es gibt ja jetzt sicherlich noch eine Weiterentwicklung.

Lika:
Ja, ich habe den Master abgeschlossen – ganz gutes Examen gespielt. Jetzt mache ich ein Postgraduate-Studium in Salzburg am Mozarteum bei Professor Peter Lang. Das ist so ähnlich wie in Deutschland das Konzertexamen und dauert circa zwei Jahre.

Tilo:
Gleichzeitig parallel läuft aber die normale Weiterentwicklung, das Spielen für dich selbst, das Konzertgeben oder auch vereinzelt anderen etwas beibringen – aber dann denen, die schon etwas spielen können, um ihnen mit Klavierunterricht ein bisschen auf die Beine zu helfen. Also das ist ein Prozess, der parallel läuft und sich nicht ausschließt, einfach im Moment dein Leben darstellt: Musik machen und weiterkommen. Und vielleicht das große Ziel erreichen, auf den ganz großen Bühnen auftreten zu dürfen. Ich bin überzeugt, da werden wir noch einiges von dir hören. Ich möchte es mal so zusammenfassen: gleich ob Gefällig-Harmonik oder in großer Kompliziertheit mit hoher Dynamik, extremen Tempi, schwierigem, wechselndem Rhythmus – du brillierst in der Darbietung unterschiedlichster Kompositionen mit außerordentlicher Virtuosität, du überzeugst und begeisterst mit einer bemerkenswerten Präzision und Konzentriertheit auf das jeweilige Stück, aber eben auch durch bezaubernde Leichtigkeit und tiefe Emotionalität. Man spürt, dass etwas vom Innersten spricht, dass du das nicht nur gelernt hast und wiedergeben willst, sondern es einfach aus tiefstem Herzen kommt.  Dieses Gefühl vermittelst du dem Publikum. Ich glaube das macht deine Musik für viele so interessant.

Lika:
Ich denke Musik muss immer vom Herzen kommen. Sonst ist es keine Musik.

Tilo:
Bei deinen Lehrern in Georgien und Deutschland hast du dir ein riesiges und breitgefächertes Repertoire erarbeitet. Du spielst die Werke der großen Meister aus der sogenannten Deutschen Klassik, Wiener Klassik, über die Romantiker, den Vertretern der experimentellen avantgardistischen Linie bis hin zu zeitgenössischen Komponisten - du hast zum Beispiel auch schon mit Wilfried Hiller arbeiten können und dürfen, der bekannt geworden ist durch Filmmusik, den man aber vielleicht mit seinen anderen Arbeiten noch gar nicht so gänzlich wahrgenommen hat. Du hast schon Uraufführungen seiner Werke spielen dürfen, die sehr gut angekommen sind. Das ist ja schon ein Zeichen. Wenn dieser erfolgreiche Komponist dir so etwas anvertraut, heißt das, da ist jemand schon sehr gut aufgestellt und hat auch schon ordentlich was zu zeigen und zu bieten. Das ist vielleicht auch der Bogen zur Heimat. Ich habe nun schon viele Georgier und Georgierinnen kennenlernen dürfen, dem interessanten Land zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer. Uns Deutschen vielleicht noch nicht immer so präsent, obwohl es kulturell mittlerweile stark im Fokus ist. Unter anderem auch durch die anstehende Frankfurter Buchmesse, wo es 2018 Partnerland sein wird. Und ich glaube man nimmt dieses Land jetzt überall verstärkt wahr. Selbst durch eine Äußerung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der sich jetzt mit dem Georgienthema beschäftigt hat, rückblickend auf die damaligen kriegerischen Auseinandersetzungen, Landverluste und all diese Dinge, die von Russland ausgegangen sind. Von der menschlichen Seite sagt man den Georgiern ja nach sie seien extrem emotional und herzlich, mit großem Sinn für Gemeinschaft und Familie, aber auch leichtlebig so nach dem Motto: wenn ich heute nicht komme, komme ich morgen und wenn ich morgen auch nicht komme, dann vielleicht übermorgen. Kannst du das so bestätigen?

Lika:
Ja, das stimmt. Das ist ein sehr lebensfrohes Land und liebevolles Volk. Sehr freundlich und gastfreundlich. Dies ist natürlich das, was jeder liebt in Georgien, wenn er das erste Mal kommt. Es ist eine wirklich herzliche Atmosphäre dort. Aber es fehlen sehr viele organisatorische Sachen und das wissen aber alle selbst. Wahrscheinlich überlegt man nicht immer, dass man sich anstrengen, arbeiten sollte. Das ist vielleicht nicht die erste Sache, woran man denkt, wenn man aufsteht – nicht überall, aber bei den meisten. Und in erster Linie wird wahrscheinlich direkt daran gedacht: wie kann ich eine angenehme Atmosphäre für mich schaffen! Und dann erst wird überlegt: ja vielleicht sollte ich heute arbeiten. Das ist die Problematik. Aber wenn man oft mit anderen Ländern kommuniziert - die Gesellschaft nicht mehr so geschlossen ist und sich in Richtung Europa öffnet - kann es gut sein, dass es sich positiv entwickeln wird. Die Menschen werden verstehen, dass eigentlich das Leben nicht nur aus Urlaub und Erholung besteht, sondern auch konstruktives Arbeiten nötig ist. Sonst entwickelt sich das Land nicht.

Tilo:
Und auch der Mensch nicht!

Lika:
Und wenn der Mensch sich nicht entwickelt, entwickelt sich auch das Land nicht.

Tilo:
Und wenn man als Künstler erfolgreich sein möchte – unabhängig davon, ob man jemals damit viel Geld verdienen kann, aber alleine auf den großen Bühnen zu stehen oder ein breites Publikum zu haben, was einem begeistern zuhört - geht nicht ohne strukturierte Arbeit, immer wieder üben und dazulernen, experimentieren, sich neue Dinge erschließen, mit anderen Menschen kommunizieren, neue Ideen aufgreifen und versuchen umzusetzen. Ohne dieses Tun wird es natürlich keinen Erfolg geben. Das ist vielleicht dieser Vorteil, wo sich zwei Kulturen Welten zu einer Welt zusammenfügen. Auf der einen Seite das Emotionale und Herzliche, das Musikalische und Talentierte, auf der anderen Seite dann auch das sehr professionelle, strukturierte Arbeiten am eigenen Ziel. Das ist unverkennbar, wenn man dir einmal zugehört und deine Musik erfasst hat. Du hast mit relativ jungen Jahren nun schon sehr viel erreicht. Was darauf schließen lässt, dass du engagiert und ambitioniert mit klaren Vorstellungen arbeitest, einfach mit Begeisterung und Leidenschaft für deine musikalische Passion - bis in die Haarspitzen hinein glühst. Stimmt das so?

Lika:
Ja, also diese Begeisterung und Leidenschaft hatte ich immer. Ich hatte immer für mich selbst ganz klare Ziele. Das ich nur eins machen will, und das ist Klavierspielen. Ich hatte Konzerte und Publikum und alles war schön, aber etwas später, in Deutschland, habe ich dann dazu noch diese Disziplin bekommen - dass man während der Arbeit noch sehr viele verschiedene andere Dinge erst wahrnehmen muss. Und das macht wahrscheinlich das Erreichen des Ziels ein bisschen einfacher, wenn man im Kopf weiß in welcher Zeit man was machen muss. Oft kann man einfach dasitzen und üben, auch wenn man gar kein Klavier hat. Auch ohne Instrumente üben zu können ist total wichtig. Für guten Erfolg bedarf es all dieser Komponenten.

Tilo:
Ja. Das eine ist das Durchdringen - auch intellektuell durchdringen, was ist in dem Stück zu tun, wie kommt das Stück rüber, was muss ich ausdrücken – und es dann handwerklich durch das Spielen umzusetzen. Das ist die Symbiose, die sich ergibt. Etwas erst zu durchdenken, zu erarbeiten und dann in Reinkultur, in Präzision auch auf den Tasten umzusetzen und das Publikum zu begeistern ist wahrscheinlich ein permanenter Prozess.

Lika:
Man lernt die Musik - wenn ich zum Beispiel ein Stück spiele, irgendwelche Klavierkonzerte, lebe ich in dieser Musik jederzeit. Immer wieder habe ich verschiedene Ideen, auch wenn ich irgendwo sitze oder unterwegs bin. In dieser Vorbereitungszeit gibt es nicht nur Übungszeit. Im Schlaf manchmal kann ich aufwachen und was Neues und Interessantes in einem bestimmten Stück finden. Es ist permanente Arbeit. Man denkt darüber immer nach und lebt diese Musik, diesen Zustand bis man das Werk aufgeführt hat. Dann kommt wieder was anderes, aber das ist nicht nur stundenweise so, sondern rund um die Uhr.

Tilo:
Das ist der Spruch, den man jetzt so schön sagen kann: der Künstler oder der, Mensch, welcher freischaffend tätig ist, der lebt seinen Beruf. Er ist permanenter Bestandteil des Lebens und nicht auf acht Stunden begrenzt, man geht nicht morgens hin und abends nach Hause und dann ist das Ding erledigt, sondern man ist immer beschäftigt und es gehört zum Leben wie Essen und Trinken und ist jederzeit vorhanden – ob morgens, abends, in der Nacht. Musik machen, für Musik zu leben.

Lika:
Ich denke das ist wichtiger als diese praktische Übungszeit. Die praktische Übungszeit ist natürlich für die Qualität wichtig, um die ein oder andere Stelle und andere Varianten noch überzeugender zu machen. Die Hauptsache ist jedoch, dass diese Stimmung über den ganzen Tag läuft. Dass man darüber nachdenkt und innerlich diese Stimmung hat – das ist das Wichtigste. Ohne das, nur mit praktischer Arbeit, würde es gar nichts bringen. Man muss in dieser Musik leben und die Musik - im Pianist.

Tilo:
Ja. Nicht ein Abspielen oder Nachspielen sondern es kommt von innen und so kann ich es zelebrieren und dann kann ich es umsetzen und auf die Tasten bringen. Aber wenn es innen nicht brennt und das Feuer nicht lodert, ist es ein totes Kapital oder ein Nachspielen – dann lebt es auch nicht auf der Bühne und bringt keine Faszination.

Lika:
Das Publikum wird das merken.

Tilo:
Das Publikum spürt es.

Lika:
Spürt es unbedingt.

Tilo:
Und das macht deine Auftritte so interessant, weil man das eben genau spürt. Da ist diese handwerkliche Perfektion, aber darüber hinaus natürlich auch dieses Versprühen von Emotion, die wahrnehmbare innere Leidenschaft.

Lika:
Genau. Man muss jedes Detail, alles was man macht, alle Kleinigkeiten, auch wirklich innerlich durchleben. Nur dann ist es interessant, überzeugend und macht dem Publikum wunderbaren Spaß zuzuhören. Weil man das als eigenen Teil von sich zeigt und nicht irgendein Nachspiel.

Tilo:
Es reicht wahrscheinlich nicht, ein Stück was jemand mal geschrieben hat einfach weiterzugeben - nein, das muss umgesetzt werden, es muss leben, es ist ein  Transformationsprozess: das was der Komponist sagen wollte, wie ich es als Musiker empfinde und wie ich es meinem Publikum weitergeben möchte. Das ist eine ganzheitliche Arbeit und für ein gutes Ergebnis, muss es so funktionieren. Das ist jetzt sehr interessant, weil ich gehört habe, dass eine CD-Produktion ansteht. Es ist an der Zeit auch noch andere Menschen oder einfach mehr Menschen zu erreichen, die vielleicht bis heute noch nicht die Gelegenheit hatten, dich mal live zu erleben. Wann ist das Projekt geplant?

Lika:
Ja, alle erwarten diese CD schon sehr lange Zeit. Ich werde meine speziellen Stücke, meine Lieblingsstücke aufnehmen, die ich auch bei Konzerten oft gespielt habe und die beim Publikum großen Anklang gefunden haben. Das wird jetzt aufgenommen Ende Juli und dann wird Ende Januar 2018 produziert. Es wird mehrere Konzerte für die CD-Präsentation und weitere Live-Konzerte geben. Das kommt dann alles nächstes Jahr.

Tilo:
Sehr schön. Dann würde ich auch einfach noch danach fragen wollen was an großen Zielen ansteht, die du definiert hast? Oder Planungen für die nahe Zukunft? Oder was ist vielleicht schon als abzusehendes erfreuliches Ereignis in der Warteschlange? Hast du spezielle Dinge, die du umsetzen möchtest?

Lika:
Ja. Ich muss sagen ein ganz wichtiges Projekt ist für mich, dass 2018 ein Konzert stattfinden wird, ein Gedenkkonzert für Nicolas Economou – das war ein sehr bekannter Pianist aus Zypern, der in München gelebt hat, ein sehr guter Freund und verehrt von Martha Argerich. Es wird ein Konzert geben im Prinzregententheater, wo Martha Argerich auch selbst spielen wird. Und ich habe die Ehre mitzumachen. Ich werde ein Solostück aufführen und vielleicht noch was anderes. Das ist das wahrscheinlich Wichtigste, was ich jetzt sehr ungeduldig erwarte.

Tilo:
Und so werden wir wahrscheinlich noch einiges von dir zu hören und zu sehen bekommen. Ich bin fest überzeugt, dass du alle Chancen nutzen wirst, um noch viel Großartiges zu leisten. Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Glück und Erfolg. Dankeschön für dieses Gespräch.

Lika:
Dankeschön.

Hörprobe: Lika Bibileishvili spielt Béla Batok – Sonate Sz 80 Allegro molto