Das ABC des polnischen Designs

In Berlin ist im Polnischen Kulturinstitut vom 19.10. bis 12.11.2017 die Ausstellung
"Das ABC des polnischen Designs“ bei freiem Eintritt zu sehen. Die spannende Ausstellung zeigt 100 Jahre polnisches Design in 100 Exponaten mit interessanten Ansätzen.

Hundert Jahre polnisches Design in genauso vielen Objekten darzustellen, ist ein ambitioniertes Unterfangen, denn schließlich hat jedes dieser Exponate seine ganz eigene Geschichte und die des jeweiligen Designers zu erzählen. Dazu will die Ausstellung auch die ganze Bandbreite dessen abbilden, was man als Design bezeichnet und eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart schlagen. So gehören Schriftzüge, Logos, Verpackungen, Kinderspielzeug, aber auch Glas und Porzellan oder Fahrzeuge zu den Ausstellungsgegenständen.

Größte Schwierigkeit der Ausstellungsmacher war es, Besucher die präsentierten Exponate aus ihrer Entstehungszeit heraus begreifbar zu machen und die Besonderheiten sowie das Lebensgefühl dieser Entstehungszeit deutlich zu machen. Zur Umsetzung blieb die Wahl zwischen Textwüsten oder visueller Kommunikation. Diese visuelle Kommunikation hätte man mit Filmen umsetzen können. Doch für diese Ausstellung fand man eine ganz außergewöhnliche Lösung

Bei der Ausstellung „ABC des polnischen Designs“ werden 100 Werke polnischer Designer gezeigt, die ergänzend von polnischen Buchillustratoren interpretiert werden. Dabei handelt es sich um Künstler mit sehr unterschiedlichen Schaffensschwerpunkten. Unter ihnen sind erfahrene Meister der polnischen Buchillustrationsschule, Illustratoren der jüngeren und mittleren Generation, die heute Preise in der ganzen Welt gewinnen, aber auch noch sehr junge Künstler, die gerade erst ihr Studium absolviert haben. Die meisten der beteiligten Grafiker illustrieren Kinderbücher, beschäftigen sich aber gleichzeitig mit der breit verstandenen visuellen Kommunikation.

Kuratorin Ewa Solarz beauftragte also 25 polnische Buchillustratoren und Grafiker damit, ihre ganz persönliche Sicht auf je vier Exponate darzustellen und sie künstlerisch zu interpretieren. Auch sollten die Künstler die Designer, deren Leben und künstlerische Träume greifbar machen und auch die eingeschränkten künstlerischen Freiheiten in Epochen von Diktatur und Fremdherrschaft. Eindringlich für den Besucher erfahrbar wird durch dieses Konzept auch der Weg des Schaffens gezeigt. Beantwortet werden sollten die Fragen: Wie entstehen Design-Ideen? Wie wird aus der ersten Idee ein Konzept und am Ende das fertige Design? Klar wird durch die Exponate auch, wie ungeheuer breit das Feld Design eigentlich ist und auch, wie die Eigenheiten und Traditionen Polens darin zum Ausdruck kommen.

Allen den 25 ausgewählten Grafikern ist gemein, dass sie eine sehr breit verstandene Sicht der visuellen Kommunikation mitbringen. Da überrascht es nicht, dass ihre Interpretationen sehr an polnische Plakate erinnern, die in Polen eine eigene Kunstgattung zwischen Malerei, Design und Grafik bilden.

So gibt die der Jahreschronologie folgend angeordnete Ausstellung auch Einblick in den polnischen Alltag des vergangenen Jahrhunderts. Dazu gehört die Zeit der Volksrepublik mit dem liebevoll „Maluch“ genannten Fiat 126 und dem rund um ihn geschaffenen Zubehör, wie dem passenden Wohnwagen, mit dem die Polen Urlaub machten. Auch Produkte und ihre Verpackungen gehören dazu, wie die wohl bekannteste polnische Leckerei, die „Ptasie Mleczko“ (Vogelmilch). Doch nicht nur Gegenstände gehören zum Design einer Zeit, auch Graphisches und vor allem Logos und Schriftzüge, wie das der Fluglinie Lot von 1929 und dem weltbekannten Solidarność-Schriftzug von Jerzy Janiszewski. Auch der deutsche Ausstellungs-Besuche wird hier einige eigene „ach-ja-Erlebnisse“ haben und erfahren, wie sehr Design das eigene Leben begleitet als die Kunstform, die dem Alltag am nächsten ist.

 Dazu entdeckt der Ausstellungsbesucher die speziellen ästhetischen Erfahrungen und Prägungen der Alltagskultur im Design eines anderen Landes mit so anderen historischen Erfahrungen und Beschränkungen der künstlerischen Kreativität über so viele Jahre der Unterdrückung. Sichtbar macht diese Ausstellung somit ganz nebenbei, dass sich im Design auch eine Reflektion und einen Dialog mit gesellschaftlichen Zuständen ausdrücken kann.

So ist die sehenswerte Umsetzung dieses ehrgeizigen Ausstellungsprojekts sehr gelungen und viel mehr als eine reine Produktdesign-Show. Das „ABC des polnischen Designs“ zeigt Vielseitigkeit und künstlerisches Schaffen auch in Zeiten der Unterdrückung und das zuweilen mit einem subtilen Positionieren einer zweideutigen Botschaft quasi zwischen den Zeilen oder einem Augenzwinkern.

Das Polnische Institut Berlin ist eine Einrichtung des Außenministeriums Polens und eines von weltweit 25 Polnischen Instituten. Es vermittelt die polnische Kultur in Deutschland, präsentiert regelmäßig Ausstellungen polnischer Künstler und Künstlerinnen aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Video-Art, Design oder auch Installationen. Die Ausstellung „ABC des polnischen Designs“ soll auch dazu dienen, das polnische Design in der Welt promoten.

Mehr Informationen:
Das ABC des polnischen Designs - 100 Jahre in 100 Objekten
Polnisches Institut, Burgstraße 27, 10178 Berlin
Öffnungszeiten: Di–Fr 10:00–18:00, Sa (+ So. 12.11.) 12:00–18:00 noch bis zum 12. November 2017, Eintritt frei

Jäger-Dabek 10-2017