Katrin Rönicke - Sex. 100 Seiten

Einige Sexualforscher sind der Auffassung, dass Deutschland noch nie ein Land mit einer tiefverwurzelten, authentischen erotischen Kultur war. Erfreulicherweise begannen zumindest in den 1960er/1970er Jahren viele junge Menschen Sex als „Spaßfaktor“ zu begreifen und ihre Lust unter Missachtung gesellschaftlicher Tabus auszuleben. Mittlerweile scheinen wir uns aber trotz omnipräsenter Darstellung und Kommunikation von sexuellen Inhalten in allen Medien und Bereichen unseres täglichen Lebens in einer Rückwärtsspirale zu befinden. So dürften, zumindest statistisch gesehen, junge Leute heute weniger Sex haben als zu jener Zeit. Gerade bei jungen Männern ist zunehmend eine Verschüchterung/Verunsicherung im Umgang mit möglichen Sexpartnerinnen zu verzeichnen. Insbesondere die archaischen Komponenten der Sexualität, wie Wildheit und Spontanität, scheinen langsam abhanden zu kommen. Katrin Rönicke leistet daher zum richtigen Zeitpunkt mit ihrem „100-Seiten-Büchlein“ einen interessanten Beitrag, um das wieder in den Mittelpunkt zu rücken, was Sex eigentlich bedeuten sollte, nämlich sich ungezwungen, spontan seinem Verlangen hingeben zu dürfen und einfach viel Spaß zu haben. Sie widmet sich in persönlicher Betrachtungsweise, unverkrampft und in komprimierter Form, auf den Punkt bringend, auch Themen, wie sexuelles Verlangen in Kindheit und Pubertät, Sex und Religion, käufliche Liebesdienste und Pornografie.

Verlag Reclam, Stuttgart April, 2017, 100 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-15-020442-9, 10,00 € (D)

Anna Brenken, Toma Babovic - Auf den Spuren von Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker zählt zu den wegweisenden Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts. Sie erfuhr ihre künstlerische und persönliche Prägung in der Dualität. Modersohn-Becker war in völlig unterschiedlichen Welten unterwegs, einerseits dem beschaulichen Worpswede am Rande des Teufelsmoors, wo sie nach ihrem Malstudium in einer Gemeinschaft von Künstlern lebte und andererseits der Weltstadt Paris, in der sie mehrfach jeweils viele Monate verbrachte. Ihre Schaffenszeit lag sich zwischen den beiden verschiedenartigen Künstlergenerationen, den späten Impressionisten und den Expressionisten. In ihren Pariser Jahren wurde sie maßgeblich von den bedeutenden Künstlern jener Zeit, wie Matisse und Cézanne, inspiriert, fand aber auch Gefallen an den ägyptischen Mumienportraits im Louvre. Im Alter von nur 31 Jahren verstarb die Künstlerin 1907 nach der Geburt ihres ersten Kindes und hinterließ ihrer Nachwelt ein umfängliches Werk an Zeichnungen und Gemälden. Zu Lebzeiten wurden ihre Arbeiten teilweise noch mit Befremden wahrgenommen. In heutiger Nachbetrachtung zählt sie aber zweifellos zu den Wegbereitern der Moderne. Anna Brenken zeichnet in ihrem Band das Leben der deutschen Ausnahmemalerin kenntnisreich und in empathischer Nähe nach, bereichert durch beeindruckende Aufnahmen von Toma Babovic sowie historischen Fotografien und Gemälden.

Verlag Ellert & Richter, Hamburg, 2017, 160 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-8319-0686-4, 16,95 € (D)

Ernst Hofacker - 1967 Als Popmusik unsere Welt für immer veränderte

Mit diesem Buch in der Hand lässt sich genüsslich abtauchen und eine Zeitreise in die Epoche der „Swinging Sixties“ unternehmen, die bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat. Ein Jahrzehnt des Wandels mit seinem geschichtsträchtigen „Summer of Love", dem Flowerpower Jahr 1967, in dem die Popkultur endgültig bunt wurde und sich zur emotionalen Heimat und als Sprachrohr einer ganzen Jugendgeneration entwickelte. Es war die Zeit der Hippies, des Jugendprotestes, großer gesellschaftlicher, politischer und künstlerischer Veränderungen weltweit. Die Nachkriegsgeneration von San Francisco, über London, Paris bis Berlin, erforschte mystische Philosophien, experimentierte mit Hallozinogenen, zelebrierte Popmusik, probierte exsessiv die freie Liebe, und beschäftigte sich mit vielen Utopien. Folgende Schlagworte und Personen stehen stellvertretend für Ereignisse einer Zeit, die bis heute die Welt verändert haben: Bob Dylan, Timothy Leary, Woodstock, Altamount, Easy Rider, LSD, Mao, Prager Frühling, Allan Ginsberg, Beatles, Vietnam, Martin Luther King, Andy Warhol, sexuelle Revolution, Stanley Kubrick, Jimi Hendrix. Keine der darauf folgenden Jugend- und Protestbewegungen hat je wieder diese einzigartige Symbiose aus Engagement für gesellschaftliche und politische Veränderung bei gleichzeitigem Streben nach maximaler kollektiver und persönlicher Lebensfreude hervor gebracht.  Ernst Hofacker erzählt in mitreißender Weise umfänglich und faktenreich über diesen Mythos und den Zeitgeist jener wilden, leidenschaftlichen und lebensfrohen Epoche, die in dieser Form einmalig war und wohl auch bleiben wird; von der Fritz Teufel, Mitbegründer der legendären Kommune I und Polit-Aktivist-/Humorist einmal sagte: „Es war einfach eine tolle Zeit. Wir waren jung, unbekümmert, fröhlich. Es herrschte eine unglaubliche Aufbruchstimmung und diese hippiemäßige Zärtlichkeit".

Verlag Philipp Reclam jun., 2016, 272 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-15-011086-7, € 34,95

LESEPROBE www.reclam.de/data/media/978-3-15-011086-7.pdf

Luft nach oben

Wichtigkeit des Nutzens
Seid mal ehrlich – haben die meisten von euch die berühmten Redewendungen wie „lebe hier und jetzt“ oder „sei hier und jetzt“ verstanden? Beziehungsweise wie so ein „hier und jetzt leben“ konkret funktioniert? Wenn das so wäre, wären diese Redeanwendungen nicht so populär.Egal wie primitiv die zwei Wörter scheinen, ich habe es trotzdem nicht kapiert. Ich war sogar genervt, muss ich zugeben, als ich das gelesen oder gehört habe. Bevor ich das Buch „Luft nach Oben“ gelesen habe, verstand ich „hier und jetzt“ so: Man soll keine bestimmten Erwartungen an das Leben und an die Menschen haben. Dann findet man sein Glück. Das ist nur möglich, wenn ich wenig über die Zukunft und die Vergangenheit nachdenke. Weiterlesen

Ich suche nach Wörtern, die Gedanken malen

Ich war von zwei Büchern so inspiriert, dass ich diese Empfindung unbedingt mit euch teilen will.

Das erste Buch „Liebe Schreiben, herausgegeben von Ingrid Bauer und Christa Hämmerle“ ist ein wissenschaftliches Buch und befasst sich mit – so auch der Untertitel des Werks – Paarkorrespondenzen im Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts. Beleuchtet wird die Rolle der Korrespondenz für die Liebe und die Paarbeziehungen im Laufe der Jahrzehnte. Die Wissenschaftler, die im Buch zu Wort kommen, geben Auskunft über die sich im Laufe der Zeit wandelnde Kultur des Briefeschreibens zwischen Menschen, die sich nahe stehen.

Das zweite Buch „Schreiben Sie mir oder ich sterbe, herausgegeben von Petra Müller und Reiner Wieland“ ist eine tolle Sammlung von Liebesbriefen bekannter Persönlichkeiten, wie Sartre, Frieda Kahlo, Edith Piaf u.v.a., und es führt auf eine vielfältige Reise durch unterschiedliche Zeiten, beginnend in den 1860er/70er Jahren, bis in die 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. Aus dieser Perspektive haben wir berühmte Frauen und Männer bisher nicht, jedenfalls selten kennenlernen dürfen. Weiterlesen

Denken heilt - Albert Kitzler

Wenn ich gehe, dann gehe ich.....
Ich existiere zwischen tausenden Ängsten. Die Angst hat bei mir einen unbefristeten Aufenthalt. Sie ist kein isoliertes Gefühl, sondern ist immer bemüht mir unzählbare Sorgen (sehen wie Fragen aus) zuzuschicken, die rot leuchten und meistens offen bleiben: Angst zu versagen? Angst nicht produktiv bei der Arbeit zu sein? Angst vor zu wenig Anerkennung? Angst vor der Zukunft? Also ich habe Millionen Angst-Leukozyten im Blut. Was daran gut ist, ich bin nicht allein. Unzählige Menschen sind mit der Angst eng „befreundet“ und versuchen immer wieder diese „Freundschaft“ so zu pflegen, dass sie weniger belastend wirkt. Wie dieser Prozess aussieht, erzählt uns Albert Kitzler in seinem relativ neuen Buch, das seit September zu haben ist. Das Buch „ Denken heilt“ ist ein brilliantes Beispiel dafür wie man ein gelungenes, gesundes Leben mit weniger Angst, Wut, Entfremdung und Stress führen könnte. Weiterlesen

Ekkehard Klatt, Siegfried Layda - Faszination Sylt

Sylt ist die beliebteste Ferieninsel Deutschlands und das wohl zu Recht. Die perfekte Symbiose aus idealem Klima, einzigartiger Landschaft mit unberührten Heideflächen und ungezähmten Wanderdünen, gepflegter Tradition, quirligem Strandleben, Amüsement sowie einer hervorragenden Hotellerie und Gastronomie macht ihren besonderen Reiz aus. Auch wenn mittlerweile die ein oder andere Bausünde auszumachen ist und die unerfreuliche Situation das viele Insulaner zum Festland umsiedeln müssen, da sie die astronomisch hohen Grundstückpreise und Wohnungsmieten nicht mehr bezahlen können, langfristig dem Charme der Insel abträglich sein wird, dürfte das der Faszination Sylt vorerst keinen Abbruch tun. Wen das Sylt-Fieber einmal gepackt hat, den verlässt es so schnell nicht wieder. Kaum jemand kommt nur ein einziges Mal auf diese Insel. Lassen sie sich von diesem wunderschönen Bildband für ihre nächste oder erste Sylt-Reise inspirieren oder blättern darin, in wehmütiger Erinnerung an den letzten Aufenthalt dort.

Verlag Ellert & Richter, Hamburg, 2016, 160 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-8319-0667-3, 29,95 €

Christopher Spatz "Nur der Himmel blieb derselbe" Ostpreußens Hungerkinder erzählen vom Überleben

Das Unrecht kriegerischer Aggression wird immer auch gnadenlos an Unschuldigen und Wehrlosen, mit physischer und psychischer Gewalt vergolten und schafft somit neues unsägliches Leid. Der 1982 geborene Autor Christopher Spatz hat sich mit persönlicher Unvoreingenommenheit einem besonderen Aspekt einer nach wie vor explosiven Thematik, der Verfolgung und Vertreibung von Deutschen aus Ostpreußen, gewidmet. Emotional berührend, aber mit empirischer Sachlichkeit, zeichnet er ein Portrait über den unerbittlichen Kampf ums nackte Überleben von Gebrechlichen, Frauen, aber insbesondere Kindern, die auf sich allein gestellt waren, nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Nordostpreußen. Er lässt diese Generation der Vertriebenen, auch als „ostpreußische Bettelkinder“ benannt, ihre Lebens- und Leidensgeschichten erzählen, die noch bis viele Jahrzehnte nach Kriegsende im Verborgenen geblieben sind. 

Verlag Ellert & Richter, Hamburg, 2016, 344 Seiten Broschur, ISBN 978-3-8319-0664-2, € 16,95 LESEPROBE

Günther Rüther - Die Unmächtigen Schriftsteller und Intellektuelle seit 1945

Die „Unmächtigen“, gemeint sind hier Schriftsteller und Intellektuelle, die sich immer wieder einmischen und in ihren Arbeiten dem Machtapparat widersprechen. Sie fordern die Mächtigen heraus, ohne selbst über politische und staatliche Macht zu verfügen. Die Gegenwehr tragen sie in der Öffentlichkeit mit der Schlagkraft ihrer Worte aus. Wenn auch die Ansichten manchmal sonderbar anmuten, jede Gesellschaft und nicht zuletzt die Politik, welche von Machbarkeit und Kompromissen lebt, benötigt diese verbale Auseinandersetzung. Günther Rüther beschreibt den Spannungsbogen von Geisteshaltung und Macht, die Einflussnahme der „Unmächtigen“ und die bei den Mächtigen ausgelösten Reaktionen in den beiden Teilen Deutschlands nach 1945 bis in die Gegenwart. Es geht um die Freiheit des Wortes, Sorgen, Befürchtungen und Ängste, aber auch persönliche Befindlichkeiten und eben um Einfluss und Macht, in den zwei unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen.

Wallstein Verlag, 350 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-8353-1838-0, 24,90 € (D)

"Hedonismus leben" Hrsg. Michael Brauer, Lothar Kolmer Der "gelungene Tag" in Geschichte und Gegenwart

Der Hedonismus ist eine philosophische Strömung, etabliert im antiken Griechenland von Aristippos von Kyrene (435 v. Chr. Bis ca. 355 v. Chr.), einem Zeitgenossen von Sokrates. Die Autoren nähern sich in wissenschaftlicher Akribie der hedonistischen Philosophie und vermitteln dem Leser einen detaillierten und tiefgreifenden Einblick in dieses Lebensmodell, deren Grundthese lautet - die körperliche und geistige Lust als natürlichen Zustand des Menschen anzusehen, die es zu maximieren gilt und möglichst Schmerz/Leid auszuweichen, um einen dauerhaften, angenehmen Glückszustand zu erreichen - (Ataraxie: die vollkommene Seelenruhe). Dies hat aber nichts mit der weit verbreiteten Vorstellung einer spätrömischen Dekadenz zu tun, sondern bedeutet viel mehr jeden Tag genussvoll und gelungen zu gestalten.

Verlag Mandelbaum (Österreich), 2016, 232 Seiten Broschur, ISBN: 978-3-85476-500-4 € 19,90 (D)

Wieviel Geld verträgt die Welt? Analysen und Alternativen herausgegeben vom Club of Vienna

Spätestens mit Eintritt der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 gelangten Fragen nach der Funktion unseres Geldsystems ins öffentliche Bewusstsein. Hierbei geht es zum einen um das Verständnis der verschiedenen dynamischen Prozesse, die zur Vernichtung angehäuften Kapitals geführt haben und zum anderen um die politischen Antworten auf diese Krise. Die Rettung maroder Banken durch Steuergelder und zugesagter Staatsgarantien, für die wiederrum Kredite bedient werden, hat den Druck auf die öffentlichen Haushalte massiv erhöht und zu einer restriktiven Sparpolitik geführt. Unberührt davon schreitet die Akkumulation privater Vermögen weiter voran, während gleichzeitig der Lohnzuwachs stagniert und sich somit die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vergrößert. In den Beiträgen des Bandes von Mathias Binswanger, Mechthild Schrooten, Katl Mocnik, Stephan Schulmeister, Christian Felber und Margit Appel werden die historischen Entstehungsbedingungen des Geldwesens betrachtet und fundierte Analysen zu den Finanzmärkten vorgelegt sowie Alternativwege zum heutigen System aufgezeigt. Herausgeber ist der Club of Vienna, einer internationalen Vereinigung von Personen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen mit Sitz in Wien, die sich mit verschiedensten aktuellen Themen unserer Zeit, insbesondere aber Fragen, die bedeutend sind für die Erhaltung der Lebensgrundlagen, das stabile Zusammenleben der Menschheit, die Erhaltung des Friedens und einer langfristig lebensfähigen Wirtschaft beschäftigen.

Verlag Mandelbaum (Österreich), Oktober 2016, 200 Seiten Broschur, ISBN 978-3-85476-656-8 € 15,00

Robert B. Reich - Rettet den Kapitalismus Für alle nicht für 1%

Der 70-Jährige US-amerikanische Politikprofessor Robert B. Reich, ehemaliger Arbeitsminister im Kabinett Bill Clinton, fordert in seinem aktuellen Werk „Rettet den Kapitalismus“ einen Wandel in den kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen der USA. Er konstatiert, dass das derzeitige System von Banken, Konzernen und Großspekulanten bestimmt werde und auch nur die Gruppe der Aktionäre und Borsianer Nutznießer (1% der Bevölkerung) des ungezügelten Agieren von Riesenkonzernen unter der irreführenden Überschrift „Freiheit des Marktes“ sind. Reich sieht den „freien Markt“ eher im Bereich des Märchens angesiedelt, da der Staatsapparat, gesteuert von Interessengruppen aus der Wirtschaft, den Markt selbst schafft und lenkt. („Kaum eine Idee hat das Denken so vieler Leute so gründlich verdorben wie die Vorstellung, es könne irgendwo im Universum so etwas geben wie einen freien Markt, in der Staat - sich einmischt -"). Als Folge macht er das Verschwinden des Mittelstandes und eine wachsende Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung aus. Reich plädiert keineswegs für die Abschaffung des Kapitalismus, sondern für die Änderung der Regeln, die den jetzigen Kapitalismus bestimmen. Seine Vision ist der aktive Staat, der die Reichen besteuert, die Einnahmen in gesellschaftliche Aufgaben, wie Bildung, investiert und auch Bedürftige nicht „im Regen stehen lässt“ sowie die Gewinne aus dem Wirtschaftswachstum breit streut. Seine Thesen sind nicht nur in den USA diskussionswürdig, sie sollten insbesondere auch in Deutschland als Denkanstöße gelten, da gerade hier die Schere zwischen Arm und Reich in rasantem Tempo auseinander driftet.

Verlag Campus, August 2016, 320 Seiten, gebunden, ISBN: 3593506084, € 24,95 (D)

Pierre Jarawan - Am Ende bleiben die Zedern

Der heute in München lebende Pierre Jarawan ist einer der erfolgreichsten Bühnenliteraten im deutschsprachigen Raum, ausgezeichnet 2012 als Internationaler Deutschsprachiger Meister im Poetry Slam (Dichterwettstreit). Er wurde 1985 in Amman als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, nachdem seine Eltern wegen des Bürgerkrieges aus dem Libanon nach Jordanien geflohen waren. Mit seiner Familie kam er im Alter von drei Jahren nach Deutschland. Anfang 2016 hatte er sein Debüt als Romanautor mit dem Werk „Am Ende bleiben die Zedern“. Darin wird die von Geheimnissen geprägte Geschichte einer Familie zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt. Samir ist auf der Suche seinen spurlos verschwundenen Vater wieder zu finden, die damit verbundenen Rätsel zu lösen und die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. In diesem vielschichtigen und spannenden Roman wird die Geschichte des Libanon, insbesondere die Zeiten des Bürgerkrieges, in die Handlung verwoben und somit ein lehrreicher Einblick in die augenblickliche und historische politische Situation eines zerrissenen Landes gegeben. 07-2016 TH/IK

Berlin Verlag in der Piper Verlag GmbH, März 2016, gebunden, 448 Seiten, ISBN: 978-3-8270-1302-6, € 22,00 (D), € 22,70 (A), CHF 29,90 LESEPROBE

Claudia Antes-Barisch, Anja Böhme - Trends & Lifestyle Zürich mit Fotografien von Michael Schrodt

Die Schweiz ist nun mal kein preiswertes Reiseland, dafür aber ein äußerst interessantes. Zürich als größte Stadt und Wirtschaftsmetropole der Alpenrepublik, mit seiner traumhaften Lage am Zürichsee, großen Grünflächen und mediterranem Klima im Sommer machen diese Stadt zu einem Ort mit besonders hoher Lebensqualität. Selbst nur für ein Wochenende macht ein Trip dorthin Sinn. Ein vielfältiges und interessantes Angebot an Kultur und kulinarischen Genüssen sowie unvergleichbare Top-Adressen für Mode und Design bietet das ideale Umfeld für alles was Spaß macht.
Umschau-Verlag, Mai 2016, 128 Seiten gebunden, mit Adressregister, Übersichtskarte und QR-Codes, ISBN: 978-3-86528-876-9, € 39,95 (D), € 41,10 (A)

Jürgen Roth - Der tiefe Staat Die Unterwanderung der Demokratie durch Geheimdienste, politische Komplizen und den rechten Mob

Der 1945 geborene Jürgen Roth zählt zu Deutschlands bekanntesten investigativen Journalisten. Seit 1971 veröffentlicht er Bücher und Fernsehdokumentationen von hoher Brisanz aus dem Themenkomplex Politik, Korruption und Kriminalität. Seine zuletzt veröffentlichten Bestseller waren „Der stille Putsch“, „Gangsterwirtschaft“ und „Mafialand Deutschland“.
Alle, die sich noch voller Unverständnis fragen, wieso die neonazistische Terrorgruppe NSU über 10 Jahre unbehelligt Morde verüben konnte oder die Aufklärungsquote bei Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte so gering ist, findet in diesem Buch erschreckende Antworten präsentiert. Rechtsradikale Gruppen, nationalkonservative Politiker, deutsche und internationale Geheimdienstzirkel und Kriminelle haben in Deutschland geheime Machtstrukturen, sozusagen einen Staat im Staat (tiefen Staat) aufgebaut, der sich jeglicher Kontrolle rechtsstaatlicher Organe entzieht. Mit subversiven Umtrieben versuchen diese Akteure ihre menschenverachtenden, antidemokratischen Vorstellungen auszuleben, mit der Zielrichtung die zivile Bürgergesellschaft zu eliminieren. 03-2016 TH

Wilhelm Heyne Verlag 2016, gebunden, 364 Seiten, ISBN: 978-3-453-20113-2, € 19,99 (D)

Sante D`Orazio - Polaroids Mit einem Text von Glenn O`Brien

Sante D`Orazio gilt als eine Ikone der internationalen Fashion-Fotografie.Im Verlag Schirmer/Mosel ist Ende 2015 von ihm der Bildband „Polaroids“ erschienen. Der „Verführungskünstler“ hat dafür eine erlesene Auswahl von 105 Polaroid-Aufnahmen freigegeben auf denen die Supermodels der 1990er-Jahre abgelichtet sind, wie z.B. Kate Moss, Cindy Crawford, Angelina Jolie, Cameron Diaz, Michelle Pfeiffer und Carla Bruni. D`Orazio zelebriert in seinem Bildband die natürliche sexuelle Anziehungskraft der Frauen und Männer und zeigt, dass excellente Aktfotografie weit mehr ist als nur nackte Haut darzustellen. D`Orazio war fotografischer Chronist der 1990er-Jahre und hat mit seinen Polaroid-Aufnahmen bemerkenswerte Unikate geschaffen. So kann man einen Satz des Künstlers zitieren, der für den Inhalt des gesamten Bildbandes steht („Man kann gute Fotos nicht mit einer Regie erzwingen, man muss sie werden lassen“) 01-2016 FZ

Verlag Schirmer/Mosel, gebunden, 136 Seiten, 105 Farbtafeln, ISBN 978-3-8296-0720-9
€ 29,80 (D), € 30,70 (A), CHF 34,30     

Michael Tsokos, Saskia Guddat - Deutschland misshandelt seine Kinder

Während die Diskussion über Pädophilie in Deutschland auf allen Ebenen, vom Stammtisch bis hin zu den politischen Gremien, heftig geführt wird, findet ein weiteres Unheil, was Kindern täglich widerfahren kann, kaum Gehör, nämlich die Gewalt im familiären Umfeld. Hier sind Jugendämter, Ärzte und Nachbarn oft überfordert oder schauen lieber weg und schweigen; Richter tendieren bei angeklagten Eltern in nicht eindeutigen Umständen eher zum Freispruch, von den politisch Verantwortlichen sind nur unerhebliche Aktivitäten wahrnehmbar. Experten schätzen die Fälle von schwerer Kindesmisshandlung in Deutschland auf jährlich über 200.000, obwohl in offiziellen Polizeistatistiken Zahlen von 4.000 genannt werden. Die renommierten Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Guddat schildern aus ihrer Praxis eine Vielzahl unfassbarer Misshandlungen an Kindern durch Familienangehörige und machen zudem Vorschläge, wie der Kinder-/ Jugendschutz in Deutschland verbessert werden könnte. Eine Pflichtlektüre für alle, denen Kinderwohl am Herzen liegt. Verlag: DROEMER KNAUR, 2014, Hardcover, ISBN 978-3-426-27616-7, € 19,99 (D)

Antiqaurisches

Bücher für die es sich lohnt in Antiquariaten zu stöbern oder im Internet zu suchen, z.B. bei www.buchmaxe.de - www.zvab.com - www.medimops.de

Die Vernichtung des roten Mannes" S. von Nostitz

Dokumentarbericht, Erstveröffentlichung 1970, Eugen Diederichs Verlag
Für alle, die an der Geschichte und somit dem Leidensweg der nordamerikanischen Indianer interessiert sind, sei dieses Buch als Standardwerk empfohlen. Mit Ausgewogenheit beschreibt von Nostitz basierend auf weitreichendem Quellenmaterial den im 18. Jahrhundert begonnenen Ausrottungsprozess der indianischen Urbevölkerung. Von der Vertreibung aus ihren Heimatregionen in neue Siedlungsgebiete, dem permanenten Rechtsbruch durch amerikanische Regierungen, bis hin zum endgültigen Abdrängen in Wüstenregionen und Reservate derer, die die unsäglichen Gräueltaten an ihren Stämmen überlebt haben, wird die gesamte Spannweite dieses Völkermordes eindrucksvoll aufgezeigt.