Sigmar Polke

„Wir wollen frei sein wie die Väter waren“ - steht auf einer Kugelschreiber-Zeichnung von 1969 in einer Sprechblase. Eine ironische Message von Sigmar Polke. (Heute würde folgende Botschaft passen, natürlich ohne Ironie: Wir wollen frei sein von der Vielfalt des Konsums, die es heute gibt. Frei sein von vielen Möglichkeiten, welche uns die Online-Welt anbietet.) Es ist die Nachkriegszeit Deutschlands. Menschen suchen Veränderungen und versuchen ein anderes Land aufzubauen. Polke stellt uns diese Epoche vor - hautnah. Und damit gilt der Maler, Fotograf und Filme- macher als einer der bedeutendsten Künstler der deutschen Nachkriegszeit. Polkes Zeichnungen erzählen uns vom damaligen Alltagsleben der herrschenden Konsumkultur- ein Stück Seife ohne Verpackung, Kartoffeln, Schokoladen, Butter- diese Produkte waren präsent, sie waren erstmals seit 30 Jahren wieder erhältlich. Dadurch das der Maler gern mit vielen verschiedenen Techniken experimentiert hat, gibt es den Polke Styl nicht. Sechzigerjahre - Zeit des Aufbaus , der Demonstrationen, des Drogenkonsum, aber auch Zeit für den seelischen Frieden. Menschen brauchten nicht nur nach vorne zu schauen, sondern sie suchten übersinnliche Energien. Sehr populär die Parapsychologie. Polkes Zeichnung – telepathische Sitzung 1 und 2 ist mit „Sender“ und „Empfänger“ beschriftet und mit schwarzen Gittermustern versehen, auf die in einigen Feldern die Wörter „Ja“ und „ Nein“ eingetragen sind. Menschen brauchten in Krisenzeiten Stärkung, auch von imaginären Wahrnehmungen. „Höhere Wesen befahlen: Rechte obere Ecke schwarz zu malen“. Polkes sehr populäres und umstrittenes Bild zeigt, dass mit dem Titel aufgerufene schwarze Dreieck und am unteren Bildrand den geschriebenen Titel selbst. Was ist bei Polke „höheres Wesen“? Ein Gott? Geister? Ein Regime? Ist es überhaupt wichtig? Polke und seine Generation unternahmen mit allen Mitteln und Möglichkeiten die Suche nach Neuland, nach Inspiration für ein besseres Deutschland. Und zwar so , dass ein Zollstock wie eine Palme dargestellt wird. Von der einen Seite Zeichen für den Aufbau und von anderer Seite die Suche nach Positivem, Exotischem, nicht Üblichen. (Heute - schafft man ziemlich alles ohne große Mühe und Fantasie. Googlemap kann jede unbekannte Straße oder Länder zeigen, die irgendwo weit von uns liegen. Andere Programme können sogar ein simulatives Bild von uns machen wie wir im Alter aussehen werden.) Polke hat mit seinem Bleistift 1000 Punkte über Fotos und Bilder drauf gemalt; ein Raster Styl. Dadurch sehen seine Werke unscharf und verfremdet aus; dies gibt ihnen aber einen geheimvollen Charakter, weil sich dahinter 1000-Punkt Geschichten verstecken. Sigmar Polke war ein revolutionärer, freier Mensch, der die langweilige Perfektion hasste. Er wünschte sich – „Ich möchte, dass alle Punkte glücklich sind. Die Punkte sind meine Brüder. Ich bin auch ein Punkt. Früher haben wir immer zusammen gespielt, heute geht jeder seine eigene Wege“. (Heute - von 1000fach perfekten Webseiten, Blogs, Nachrichten so beeinflusst, können wir oftmals ewig lang die eigene Identität suchen.) 06-2015 Inga Khapava

Alibis: Sigmar Polke Retrospektive
14.03. bis 05.07.2015 Museum Ludwig, Köln
Die Ausstellung präsentiert rund 250 Werke von 1963 bis 2010

"Aufguss"

Diese sehr amüsante Darbietung ist vom 12. Februar bis 26. April 2015 im Theater am Dom zu sehen. Es spielen mit: Hugo Egon Balder, Jeanette Biedermann, Rene Heinersdorff, Madeleine Niesche und Jens Hajek. Bei dem Stück handelt es sich um eine typische Verwechslungskomödie, die in einen Wellnesshotel spielt. In der Hotel-Saune treffen zwei Gruppen aufeinander. Dieter, gespielt von Hugo Egon Balder, verkörpert einen erfolgreichen Waschmittelhersteller, der seiner Lebensgefährtin eine Samenspende schenken will. Lothar, gespielt von Jens Hajek, ist Chef einer florierenden Kinderklinik, der sich eine Geldspende von dem Waschmittelproduzenten erhofft. Seine Assistentin und rechte Hand Emelie (Jeanette Biedermann) hilft ihrem Chef dabei, Spenden für ein neues Infusionszentrum aufzutreiben. Im Saunabereich des Hotels kommt es nun zu allerlei Verwechslungen bei den Gesprächen über die Spenden und nach jedem Aufguss wird die Verwirrung größer. Zum Schluss taucht noch ein geheimnisvoller Fremder mit dem Namen „The Brain“ auf, was dann zum endgültigen Chaos führt. Für alle, die mal wieder herzhalft lachen möchten unsere Empfehlung: Unbedingt ansehen. 02-2015 FZ

Theater am Dom
Glockengasse 11
50667 Köln
www.theateramdom.de

Zusammenklang des Eindrucks

Wir leben heutzutage in einer modernen Welt, trotzdem finden wir die Wirklichkeit oft langweilig. Wir wünschen uns ständig davor zu fliehen. Um dies zu tun, erfinden wir ständig neue Handys, neue Spiele, neue Filme etc., die uns der neuen modernen Welt nähern, aber  von der Natur trennen. Wir sind weit weg von Flüssen, Bäumen, Sonne … Zwischendurch haben wir Sehnsucht nach vergangenen Zeiten. Es konnte doch nicht alles langweilig sein? Einiges könnten wir doch in die Gegenwart mitnehmen? Und dann sehe ich tolle Gemälde, die einen Ausschnitt aus Raum und Zeit ausweisen, mich an eigene Empfindungen erinnern, mir auch unbekannte Epochen verständlich machen. Camille Pissaro, der französische Maler, kümmert sich um die Kunst des Eindrucks, der bei mir bleibt. Pissaro`s (der Vater des Impressionismus) Werke sind im Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal zu sehen . Seit 15 Jahren verschafft dieses Museum einen ersten großen Überblick über Pissaros Werke, zeigt aber auch die Arbeiten seiner Kunstfreunde „..denn Pissaro pflegte engen Kontakt zu den großen Malern seiner Zeit, voran zu Cezanne, Gauguin und Van Gogh“ erzählt Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh. „Er ist weder ein Poet, noch Philosoph, sondern einfach nur Naturalist, Maler der Himmel und der Erden. Es mag auch zum Träumen veranlassen, ist aber nur das, was er gesehen hat.“ schreibt Emile Zola über Camille Pissaro. Ich laufe durch die Felder, durch die Bäume und sehe einen Esel vor einem Gehöft mit Lastkarre. Es ist kein Traum, es ist mehr als ein Traum, es ist die Wirklichkeit der Epoche des 18. Jahrhunderts in der Umgebung von Paris, in La Varenne, La Roche Lujon und Monterency, wo Pissaro lebte und seine ersten französischen Landschaftsbilder entstanden sind. Ob die „Bauernmädchen mit Strohhut“ oder „Bäuerin mit Kuh“, sieht man „eine aufrechte und energische Persönlichkeit, die der Lüge unfähig ist und eine Kunst seiner ewig währenden Reinheit schafft“ (Emile Zola). Menschen im 19. Jahrhundert konnten nichts mit modernen Bildern anfangen; deshalb verkauften die Künstler auch kaum von ihren Werken. 30 Künstler hatten eine Kooperation   gegründet und ihre Werke ausgestellt, mit der Hoffnung, dass sie berühmt werden. Von Kritikern wurden sie nur lustig gemacht, einer davon erfand über diese Gruppe sogar einen Spottnamen – „Eindrucksvoller Künstler“. Kein Geld, kein Interesse, nur ein Spottname. Pissaro war der einzige, der diesen Fall positiv ausgenutzt hat, nämlich den Spottnamen „Impressionisten“ als Markenzeichen zu behalten empfahl. Deswegen - Vater des Impressionismus. „Ohne ihn hätte es diese Bewegung so nicht gegeben. Er war wie ein Mentor und hat diese Impressionistengruppe zusammen gehalten“ (Dr. Gerhard Finckh) Teil dieser Gruppe waren Cezanne, Gauguin und Van Gogh, auf die Pissaro großen Einfluss hatte. Es war Pissaro, der dem labilen Van Gogh half, als dieser sich sein Ohr abgeschnitten hatte. Pissaro hat Vincent mit nach Hause gebracht und einen Doktor für ihn engagiert. Die beiden haben die Arbeit auf dem Land sehr geschätzt. Vincents Gemälde, wie z.B. „Kartoffelesser“ oder „Kartoffelsetzer“, sind Bilder, die düster sind und schwere Arbeit zeigen; die Motive ähneln. Pissaro liebte und unterstützte die Landarbeiter. Entgegen dieser armen Leute war er aber auch offen und neugierig auf das Stadtleben. „Ich wollte  die Lebendigkeit dieses Gewimmels wiedergeben..“ (Pissaro an Lucien Pissaro - Briefe an seiner Sohn). Pissaro hat sich zu spät entschieden urbane Motive von Paris zu malen. Er besaß eine Vorliebe für realistisch-poetische Landschaften, Szenen des ländlich bäuerlichen Lebens und der harmonischen Verbundenheit von Menschen mit der Natur. Das Leben des Bürgertums, gar das der mondänen Pariser Groß-Bourgeoisie interessierte ihn kaum; nur aus finanziellen Gründen hat er sich entschlossen Pariser Boulevards zu malen. „Meine Bilder besitzen offenbar eine naturalistische Seite, die gewisse Ästheten verletzt“. (Briefe an Lucien). Pissaro fand das Prinzip des Wiederholens sehr spannend und malte die Sicht auf das Boulevard Montmatre vom Hotelfenster aus, 13mal wie eine Serie und zwar „das Boulevard mit der Menschenmenge und dem Umzug des Faschingsochsen , während die Sonne die Papierschlangen und Bäume beleuchtete und die Menge im Schatten war“ (Briefe an Lucien) Pissaro beobachtete die Unterschiede zu den Tageszeiten am Morgen, am Mittag, am Nachmittag und in der Nacht, auch die bei den Wetterverhältnissen von Sonne, Regen und Schnee. „Es geht weniger um die Sache selber, das Alltägliche verschwindet, und es bleibt nur noch der Eindruck der geschauten und erfühlten Wahrheit“ (Briefe an Lucien) Durch die gemalte Urbanität zeigt Pissaro Paris als einen schönen modernen Raum. Vom Hotelfenster aus war es möglich Pariser Luft, Licht, Atmosphäre und Geruch malerisch hervorzuheben. Bei Pissaros Werken fasziniert  die spannende Mischung aus Pariser Modernität und historischer Architektur. Diese Mischung klingt irgendwie passend zusammen. „Wenn ich ein Bild beginne, ist das erste was ich festzustellen suche der Zusammenklang ..“ sagte Pissaro in einem Interview (S. 106 in „Camille Pissaro – Alfred Sisley – Claude Monet – nach eigenen und fremden Zeugnissen“, Hans Graber, Verlag Schwabe, Basel, 1943). Nach dieser zusammenklang balancierten Mischung suchen wir heute zwischen moderner Wirklichkeit und vergessener Natur. 01-2015 Inga Khapava

Pissaro
Der Vater des Impressionismus
Von-der-Heydt-Museum
Museum für die Kunst
Turmhof 8
42103 Wuppertal
14.10.2014 – 22.02.2015

Klamotten rufen nach Freiheit

„Wer das richtige sagt, sieht noch lange nicht gut aus“ – sagte der italienische Schauspieler Valentino.  Heute prägt unser Aussehen den Alltag so stark, dass wir unter Selbstbewusstseinsmangel  leiden, wenn Klamotten oder „Make-up“ nicht passen. Anthropologen meinen, dass sich Menschen schon zu Urzeiten unbearbeitete Felle um ihre Körper hingen, nicht nur um sich vor Umwelteinflüssen zu schützen, sondern auch um sich selbst zu schmücken und anderen zu imponieren. Die Eitelkeit stand also am Anfang der Kleidung. Die Ausstellung „Reiz und Scham“ zeigt  (im LWL-Industriemuseum Bocholt 04.04. - 02.11.2014) mit mehr als 400 originalen  Kleidungsstucken und 1000 weiteren Exponaten, was in den vergangenen 150 Jahren Eitelkeit bedeutete - was war „gerade noch erlaubt“ und  „eigentlich schon verboten“.

Adios Korsett, Wllkommen Luftdurchlässigkeit
Das 19. Jahrhundert Korsett, das eng am Oberkörper anliegt, macht mich irgendwie melancholisch. Ich spüre Sehnsucht, unaufgeklärte Sehnsucht nach alten Zeiten. Einige Menschen kritisierten das Korsett, das den weiblichen Körper sehr stark formte. In der Reformzeit um 1900 wurde es als – „modernes Folterinstrument“ bewertet und galt als unnatürlich, krankmachend und hässlich. Bei der Kleidung sollte alles Einengende und Einschnürende weggelassen werden, luftdurchlässig sollte sie sein und die natürliche Bewegung des  fraulichen Körpers nicht behindern, erzählt mir Museums-Kurator Martin Schmidt. Grund dafür die Veränderung des Alltags durch zunehmende Berufstätigkeit  vieler Frauen. Es war ein recht schwieriger Prozess den Frauenkörper ein bisschen freier zu machen und dauerte viele Jahre lang. In der Weimarer Republik wurden Frauen erstmals gleichberechtig behandelt. Die „Neue Frau“ zeigte sich an den Schauplätzen – unsentimental, sachlich,  selbständig und zielbewusst. Die Veränderungen waren sichtbar: abgeschnittene Haare und andere Kleider. Also mehr Körper wie je zuvor? Schlanke Beine unter kurzen Röcken, entblößte Arme und Rückenausschnitte erzählen was bis dahin Tabu war.

Moral stört Mode freier zu werden
Hunger, Arbeitslosigkeit, Flucht, die ersten Jahre  nach dem  Zweiten Weltkrieg eine lastbeladene Zeit; es ging nur ums Überleben. 1947 stellt Christian Dior ein neues Weiblichkeitsideal vor: weit schwingende Röcke, enganliegende Oberteile, sanft gerundete Schultern. Es ist war ein „New look“, eine Offenheit für die Frauen. Aber alte prägende Moralvorstellungen sind zu jener Zeit noch stark in der Gesellschaft verwurzelt. Man vertrat überwiegend noch die Auffassung „Frauen gehören ausschließlich an der Herd. Nein!! Coco Chanel setzte 1954 voll Wut auf einfache Kostüme, in denen frau sich frei bewegen konnte und dabei noch dezent und elegant aussah. Aber trotz dieser Versuche für den weiblichen Körper mehr Freiheit zu schaffen als im konservativen  Nationalismus,  war die persönliche Moral noch stark mit verstaubten Traditionen verbunden. Die meisten verstanden daher die Botschaft nicht als Dior 1953 den Rocksaum bis wenige Zentimeter unter das Knie hebt uns selbst noch als Yves Saint Laurent 1957 dieses entblößt, titelten die Schlagzeilen „Vulgär,“ „schockierend“!“, so Martin Schmidt.

„Das trägt man halt“ gilt nicht mehr
„Imagine there is no countrys,  It is not hard to do, Nothing to kill or die for, And no religion too. You may say I am dreamer. But I am not the only one.”  sang John Lennon in 1970er Jahren; in einer Zeit wo Menschen nichts mehr von Krieg und Armut hören wollten. Freiheit, Frieden und Lebensfreude waren ihre Themen.. Die 1950er Jahre fanden sie spießig und altmodisch. Es roch nach Revolution, nach großen Veränderungen. Gerade im Bereich der Sexualität kam es in diesen Jahren zu einer zunehmenden Enttabuisierung. Die „Pille“ hatte den Frauen erstmals die Möglichkeit hin zu einer lustvollen  Sexualität eröffnet. “ Nationalismus wurde als eine sexuell repressive Zeit gedeutet und gefolgert, dass diese erst Diktatur und Krieg möglich machte.  „Freie Liebe“ wurde zum Schlagwort – und zur Praxis“ , so Herr Schmidt. „Das trägt man halt“ – gilt nicht mehr. Neue Energien brachten auch neue Farben und Moden hervor, und diese wurden von der Haute Couture oder Pret-a-porte übernommen. Knallbunte Kleider und Hemden, ultrakurze futuristische und romantische Blumenröcke, bunte Strumpfhosen wurden zum Trend. Auch Hippies mit ihren bodenlangen Kleidern und offenen langen Haaren gehörten dazu. Jeans, Hauptmerkmal in den 1970er Jahren, als Favorit in allen sozialen Schichten. Jeans waren sowohl bequem, getragen mit Hemd/Bluse darüber hinaus Zeichen von Authentizität  und Selbstsein. „Ich habe nicht vor, die Art wie ich erscheine, zu ändern oder die Art wie ich mich fühle, um für irgendwas passend zu sein. Ich war schon immer ein Freak“ John Lennon. 08-2014 Inga Khapava

Sabine Moritz

Zwischen Erwartung und Suche
„Am Krieg kann man etwas sichtbar machen“

In der gesenkten Hand hält er eine Waffe. Man wartet beängstigt, in der Erwartung, dass er gleich schießen wird. Das wird der Mann tun, der mit dem Rücken vor einem Betrachter steht und auf eine Frau mit Kopfbedeckung schießen soll, die mit dem Rücken vor dem Mann mit der Waffe steht. Zwischen dem Mann und der Frau gibt es eine gemessene Distanz, die der Mann mit der Waffe misst, indem er seine Hand auf ihre Schulter legt. Ringsum schmutzige Landschaft mit Schnee gemischt. Es geht um die letzten Momente im Leben der Frau. Das erste, was ich beim Betrachten dieses Werks denke, ist, dass es sich um Malerei handelt und nicht um Realität. In der Ausstellung von Sabine Moritz sind die Augenblicke des Zweiten Weltkrieges so lebendig, dass man genug Mut dabei mitnehmen soll, um die Werke anzusehen. Krieg ist ein relevantes Thema bei Moritz, aber auch für die heutige Zeit, wenn wir dies am Beispiel der Ukraine betrachten. Ein Teil der Beobachter sieht die Spannungen in der Ukraine mit Hoffnung, ein anderer Teil wartet ab, genauso wie Moritz’s Werk „Das Kopftuch“ ein Gefühl des Erwartens hervorruft. Was macht der Soldat? Wird er schießen? Die Besonderheit der Werke der Malerin liegt darin, dass ihre Zeichnungen Anziehungskraft haben die Gefühle erzeugen, die voll mit Erwartungen sind. Frau Moritz packt das nicht so ganz angenehme Thema an. Sie drückt das alles sowohl mit Mut als auch mit gemessener Distanz aus, so dass man sich zu keiner Seite hingezogen fühlt. Man erwartet in ihren Kriegswerken Zeichen von Tod oder Blut. Nein! Kein Tod, kein Blut und das fasziniert. Es herrscht eine trügerische Ruhe in ihrem Krieg. Wir finden uns immer wieder in solchen Situationen. Panzer, Hubschrauber, Flugzeuge, Schiffe, Technik allgemein, die man im Krieg braucht, sind in allen Werken von ihr unscharf abgebildet. Menschen, wie z. B. auf dem Bild „Halbmast“ - der Soldat im Irak, sein Gesicht ist verwischt. Das ist ein Mensch und die Kampfunterstützungstruppe hinter ihm ist ohne Bedeutung, sondern relevant ist der Prozess, zudem diese Menschen dienen. Erinnerung: Sabine Moritz wurde in der DDR geboren. Seit ihrem 16. Lebensjahr lebt sie in Westdeutschland, in Köln. Sie hat mit Malerei nach Erinnerungen angefangen. Dies ist in der Reihe „Jena“ und  „Lobeda“ (1991-1992) wiedergegeben. Bevor Moritz 1985 nach Westdeutschland kam, lebte sie mit ihrem Eltern in Lobeda bei Jena. Da die Erinnerungen unsere Gegenwart bewirken, ist sie oft nach Ostdeutschland gefahren, um ihre Kindheit mit den dort aufgenommenen Fotos darzustellen. Da ihre Eltern Chemiker waren, kommen öfters Gegenstände aus dem Labor vor. „Es scheint (…) einen unbewussten Erinnerungsspeicher zu geben, der den Schlüsselreiz realer Gegenwart braucht, um aktiviert zu werden“ sagt Sabine Moritz. Zeit stillhalten: In den 40 Werken von Sabine Moritz, die in Wuppertal ausgestellt werden, können wir ihrem melancholischen Stil nicht ausweichen. Das sind Blumen, die in ihrer Malerei dargestellt werden. Ihre Blumen sind nicht in der Natur, sondern in Vasen abgebildet. Dies legt den Akzent auf ihre Weiblichkeit und schafft eine besondere, nach den Kriegsbildern, meditative Atmosphäre. Die wollen gar nichts sagen, sie sind einfach da und wollen die Momente des Friedens festhalten. Beschleunigung der Zeit?: Eine Frau steht im Wasser. Ringsum kein Baum, kein Horizont. Die Frau hebt das Kleid mit beiden Händen. Das heißt, das Wasser ist nicht tief. Wir kennen den Charakter der Frau nicht. Auch unbekannt ist die in Formen aufgelöste Gestalt. Als ob sich die Frau zu ihr begeben würde, um mit ihr zu plaudern. In Wirklichkeit hat Sabine Moritz mit diesem Bild eine Passage aus dem II. Weltkrieg dargestellt. bzw. es basiert auf einem Foto aus dem Zweiten Weltkrieg, dass eine Frau zeigt, die in einem von deutschen Soldaten besetzen Gebiet in den Fluss getrieben wurde, um zu klären ob er vermint ist, verweist Jan Thorn-Prikker. (niederländischer Künstler). Sabines Kunst ist deswegen erfolgreich, weil die Geschichte als Geschichte nicht bleibt; sondern auch einen Bezug zur Gegenwart hat. Außerdem können die Betrachter immer wieder eine neue Perspektive in ihrer Malerei sehen. „Fluss“ von Sabine Moritz stellt für mich den Prozess der Erkennung der Menschen dar. Der Fluss ist ein Symbol der Geschwindigkeit. So steht eine Frau in dieser beschleunigten Zeit und sucht sich selbst. Sie weiß nicht, ob sie auf das andere Ufer gehen oder in dieser Dynamik bleiben soll. Kurz und gut: Kampf mit sich selbst um sich selbst zu finden. 03-2014 Inga Khapava

BAP zieht den Stecker-Tour

Am 03.06.2014 haben wir Wolfgang Niedecken und seine Band in der Bonner Beethovenhalle erleben dürfen. Dort überzeugt die seit 1976 existierende Kölschrockband mit eher leisen Tönen. Man merkt dem Bandchef an, dass der Schlaganfall, der ihn 2011 vorübergehend außer Gefecht gesetzt hat, Spuren bei ihm hinterlassen hat. Äußerlich wirkt er zwar ganz wie der Alte, aber Wolfgang Niedecken ist nachdenklicher geworden, trotzdem wirkt er sehr zuversichtlich. Nach der unfreiwilligen Zwangspause hat er sich eindrucksvoll zurückgemeldet mit dem Album „Zosamme Alt“, einer Liebeserklärung an seine Frau Tina, die er liebevoll „Mein Schutzengel“ nennt. Die Band spielt eine Mischung aus alten und neuen Songs, die zum großen Teil neu arrangiert - und teilweise auch mit anderen Instrumenten vorgetragen werden. Titel wie „Noh all dänne Johre“, „Für ne Moment“, „Bahndamm“ und „Paar Daach“ klingen vertraut, bekommen aber im Zusammenhang mit den Ereignissen der letzten 4 Jahre eine ganz neue Bedeutung. Außer dem Meister selbst stehen mehrere fabelhafte Begleitmusiker mit auf der Bonner Bühne. Jürgen Zöller bedient das Schlagzeug, Michael Nass sitzt am Keyboard und Werner Kopal bedienst wie immer den Bass. Ergänzt werden diese Stammmusiker durch Anne de Wolff (Geige, Cello, Posaune, Harmonium) Ulrich Rohde (Gitarre, Steel-Gitarre, diverse Zupfinstrumente) und den marokkanischen Percussionisten Rhani Krija. Gemeinsam webt die Band einen Klangteppich aus Rock, Country, Jazzelementen und Folk. Nach der kurzen Pause geht es weiter mit Titeln wie „Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“, den alten Songs „Jupp“, und „Neppes, Ihrefeld un Kreuzberg“ sowie „Nöher zu mir“. Der Klassiker „Kristallnaach“ wird in einem leicht orientalisch angehauchten Stil gespielt. Es folt der Song über einen Schuhputzer aus Costa Rica („Shoeshine“) und die ultimative Liebeserklärung des Meisters an seine Stadt „Für ne Moment“. Natürlich wird auch der unverzichtbare Hit „Verdamp lang her“ in einer Unplugged Version gespielt. Bei diesem Lied stehen alle Konzertbesucher begeistert auf und singen mit. Der Meister und seine Musiker geben insgesamt 3 Zugaben. Mit dabei ist auch das gefühlvolle „Du kann zaubere“ und im Publikum macht sich Gänsehaut-Feeling bemerkbar. Nach sagenhaften 3 Stunden reiner Spielzeit ist dann Schluss und die Zuhörer verlassen restlos zufrieden den Konzertsaal. 06-2014 FZ

John McLaughlin & The 4th Dimension

John McLaughlin, der bereits im Alter von 30 Jahren zu den besten und meist gefragtesten Gitarristen der Welt gehörte, gastierte mit seiner neuen Band "The 4th Dimension", ein Gebilde resultierend aus langjähriger Arbeit mit Musikern verschiedenen Kulturen und musikalischer Vergangenheit, gastierte im November 2012 bei den 33. Leverkusener Jazztagen. Neben McLaughlin waren dabei Gary Husband (keyboards), Etienne M`bappe (electric bass) und Ranjid Barot (drums). M`bappe bearbeitet seinen Bass meisterhaft, warum er bei seinem Spiel schwarze Handschuhe trägt, erschließt sich dem Zuschauer zunächst nicht. Der Keyboarder lieferte sich leidenschaftliche "Zweikämpfe" mit dem Drummer. Trotz seiens fortgeschrittenen Alters von 70 Jahren zeigte John McLaughlin absolute Bühnenpräsenz und feuerte mit technischer Brillanz seine schnellen Gitarrenläufe überschallartig in die Menge. Leider sprang der richtige emotionale Funke an diesem Abend nicht auf das Publikum über. 11-2012 FZ

Bryan Adams

Am 21.03.2012 war Bryan Adams (52) wieder einmal zu Gast in der Kölner Lanxess-Arena. Seit mehr als 30 Jahren begeistert er Millionen Fans weltweit. Der Altmeister des Stadion-Rocks und ungekrönter König der Kuschelballaden wirkte an diesem Abend extrem gut drauf; seine alten Mitstreiter, Schlagzeuger Mickey Curry und Gitarrist Keith Scott liefen ebenfalls zur Bestform auf. Mit Hits, wie „Run to you“, „Have you ever really loved a woman“ und „One night love affair“ versetzten die Musiker die Arena in Partystimmung. Dem Meister konnte man anmerken, dass er sichtlich Spaß bei der Sache hatte. Alle Songs zelebrierte er mit einem Lächeln im Gesicht und zog die Zuhörer in seinen Bann. Besondere Sympathie brachte das dankbare Publikum dem unauffällig wirkenden Künstler (Jeans und schwarzes T-Shirt) entgegen, wenn er seine Ansagen in Deutsch vortrug. Jeder der dabei sein konnte, wird die zweieinhalbstündige Vorstellung der Rocklegende und seiner kongenialen Bandkollegen in bester Erinnerung behalten. Viele der Zuhörer hatten vermutlich den Wunsch, dass Bryan Adams uns noch weitere 30 Jahre mit seinen unvergleichlichen Liveauftritten beglücken wird. 03-2012 FZ

Wolfgang Niedecken feat. WDR Big Band

Am 10. November 2010 anlässlich der 31. Leverkusener Jazztage traten Wolfgang Niedecken und die WDR Big Band zusammen auf. Nach dem viel beachteten Projekt „Niedecken Köln“ aus dem Jahr 2004 gab es ein neues gemeinsames Projekt mit dem vielversprechenden Titel „Deutschlandlieder“. Einige seiner größten Kompositionen wurden im Big Band-Stil neu arrangiert und in Leverkusen uraufgeführt. Wolfgang Niedecken ist im Rheinland ein nicht ganz unbekannter Musiker und im Bereich deutschsprachige Rockmusik ein sehr prominenter und einzigartiger Künstler. Im Zusammenhang mit dem neuen Projekt hatte der BAP-Chef seine Songs der letzten 34 Jahre gesichtet und Texte ausgewählt, die einen Bezug zu Deutschland haben. Neu arrangiert wurden so z.B. Titel wie „Nie met Aljebra“, „Kristallnaach“, „Arsch huh“, „Blonde Mohikaner“ und „Verdamp lang her“. An diesem Abend im Forum waren die Mitglieder der WDR Big Band super gut drauf und Wolfgang Niedecken leistete als Vokalist einen absolut tollen Job. Das Publikum konnte sich freuen über einen Musikabend, der ein jazziges Programm und jede Menge Highlights bot. Das Publikum war von den Musikern der Big Band und natürlich auch Wolfgang Niedecken absolut begeistert und alle hoffen nun, dass dies nicht der letzte Auftritt in dieser Zusammensetzung im Forum war. 10-2010 FZ

Paul McCartney Konzert von Paul McCartney am 16.12.2009 in der Lanxess Arena Köln

In 2 Stunden und 50 Minuten bietet der Meister an diesem Abend seinen Zuhören alles, was es von einem erwarten kann, der Generationen von Fans mit seinen Liedern begeistert hat. Begrüßt wird das Publikum in der Lanxess Arena mit den Worten „Cologne, dann „Köln“ und schließlich ein fast zärtliches „Kölle“. Viele Ansagen erfolgen auf Deutsch und sein Publikum dankt es ihm mit wahrer Hingabe. Es gibt sehr viel zu hören aus den guten alten Beatles Zeiten. „Back in the USSR“ geht ab als würde die Sowjetunion noch existieren. „Get back” und „Drive my car” werden ebenfalls druckvoll in den Saal geschoben. Bei dem Titel „Paperback Writer“ sitzt der harmonische Gesang punktgenau. Dies ist zurückzuführen auf seine an diesem Abend sehr druckvoll mitspielenden Begleiter. Kein Wunder, denn die Herren spielen ja bereits seit 10 Jahren zusammen. Die Nummern „Got to get you into my Life” und “A day in the life” werden ebenso gekonnt gespielt wie der Klassiker „Eleanor Rigby“. Wings Hits wie „Jet“, „Band on the Run“ oder der James Bond Titel “To Live an let Die” folgen. Der letzte Song wird eindrucksvoll pyrotechnisch unterstützt, so dass es den Zuhörern in den vorderen Reihen ziemlich warm wird. Einer der Höhepunkte des Konzerts ist sicherlich der wunderschöne Song seines verstorbenen Bandkollegen George Harrison. „Something“ wird von McCartney auf einer Ukulele angestimmt, die er von George einst geschenkt bekommen hat. Nach und nach steigt dann die Band ein, bis der Song in seiner vollen Pracht erstrahlt. Dies ist wahrlich der Höhepunkt dieses Abends und manch einer hat dabei Tränen in den Augen. Lange Zeit nicht live gehört hat man von Paul den Titel „Blackbird“. Fast schon vergessen aber immer noch wunderbar, wenn der Meister diesen Song zur akustischen Gitarre anstimmt. Auch wenn man diesen Pop-Titan mit Auszeichnungen überhäuft hat und er inzwischen „Sir“ geworden ist. Bei diesem 67 Jahre alten jugendlichen Kerl merkt man, dass er immer noch richtig Spaß auf der Bühne hat und er die Musik braucht wie die Luft zum Atmen. Zu seinem Publikum hat er ein fast magisches Verhältnis. Dies merkt man dann auch bei einem Titel wie „Hey Jude“. In dem Moment, in dem die Musiker aussetzen schallt es aus 15.000 Kehlen „Na na na na na na na“. Auch wieder einer jener Zeitpunkte, in denen der Funke überspringt von der Bühne in das Publikum und eine Art Zwiesprache entsteht, die nur die ganz großen Künstler schaffen. Vielleicht hört ja in diesem Moment auch Linda im Himmel zu und freut sich mit den Zuhörern im Saal. Paul McCartney spielt an diesem Abend auch ein paar neuere Songs, wie „Only Mama knows“ und die Ballade „I want to come home“. Dieser Song, den er für einen Robert de Niro Film geschrieben hat, wurde soeben für einen Golden Globe nominiert. Auch dies vergisst der Meister nicht zu erwähnen. Er freut sich immer noch über jede Auszeichnung und ist sichtlich stolz darauf. Diesen Abend werden alle, die dabei sein durften nicht so schnell vergessen. Paul McCartney verabschiedet sich mit den Worten „Bis zum nächsten Mal“. Das hören wir gerne. Versprochen ist versprochen. 12-2009 FZ

World`s finest Guitar Night

Am 11.11.2009 fand im Rahmen der Leverkusener Jazztage die „World`s finest Guitar Night statt. An diesem Abend fanden sich herausragende Künstler zusammen, wie das 18jährige australische Nachwuchstalent Joe Robinson; das seit drei Jahrzehnten sein Publikum verzaubernde Vocal-Gitarren Duo Tuck & Patti, die Jazzgitarrenlegende Lee Ritenour mit der von Don Grusin gegründeten Band „The Hang Allstars“, die alle Register ihres Könnens zogen. Der unumstrittene Höhepunkt in dieser Nacht der Gittaristen war aber der Auftritt von Al Di Meola und seinem New World Sinfonia Ensemble. Bereits beim ersten Stück wird deut-lich: hier spielt einer der wenigen, auf den das Wort Gitarrengott uneingeschränkt zutrifft. Der Meister und seine Mitstreiter sind extrem gut aufeinander eingespielt und alle beherrschen ihr Instrument meisterlich. Der superschnelle Akustiksound des Meisters und seiner Kolle-gen ist brilliant und klar. Bei manchen Stücken träumt man von mediterranen Abenden in Südeuropa. Außer Al Di Meola gibt es noch einen herausragenden Musiker in dem Ensemble. Es ist der Akkordeonist Fausto Baccalossi, mit dem der Meister ständig komplexe Melodienläufe variiert. Weiter mit dabei sind Drummer Peter Kaszas und Percussionist Gumbi Ortez. Bei solch perfekt eingespielten Musikern ist das Publikum wirklich begeistert und erklatscht sich zum Schluss 3 Zugaben. Alle sind sich einig: das war der Auftritt eines Weltklasse-Jazzer und man ist glücklich an diesem Tag den Auftakt des Karne-vals versäumt zu haben. 11-2009 FZ

Larry Clark

Die Galerie „c/o Berlin“ zeigt die erste Einzelausstellung des US-amerikanischen Photographen Larry Clark (69) in Deutschland. Zu sehen sind ca. 200 Arbeiten, Photographien, Collagen und Videos. Junge Schönheiten, Sexualität und Drogenkonsum. Seit Anfang der 1960er Jahre bis heute dokumentiert Clark authentisch und unmissverständlich sehr intime Situationen amerikanischen Teenager. Abseits von traditionellen Moralvorstellungen und Prüderie; vermittelt er das Bildnis einer wilden und lustvollen Jugend, eine intensive Darstellung aus dem „echten“ Leben heraus. Es ist zu spüren, dass Clark hier nicht der außenstehende Beobachter ist, sondern emotional ins Geschehen involviert ist, wohl ein Spiegel seiner eigenen Jugend.
c/o Berlin, Oranienburger Straße 35/36, Berlin - 26.05. – 12.08.2012