Gefühlsklang Portrait der Pianistin Inga Fiolia

Musizieren war immer etwas Natürliches für mich - erzählt Inga Fiolia, eine junge Pianistin aus Köln. Sie hat schon als kleines Kind die Musik im Blut. Inga war 3 Jahre alt, als ihr Vater am Klavier komponierte und sie dazu tanzend ein Liebeslied für ihre Mutter improvisierte:

„Mein Herz klopft friedlich, wenn ich dich lachend sehe liebe Mutter.“

Ein bekannter Jazz-Pianist und Komponist, zweimal Grammy-Gewinner, schreibt über Inga:

Music to me, is more precious und lasting, when an artist opens the door to our hearts and communicates feelings expressed in the notes that a more superficial performance won`t reveal. Such an artist is Inga Fiolia. When I hear her play, I am transported across generations into the essence of the music.”
(Musik ist für mich wertvoller und beständiger, wenn ein Künstler mittels der Noten die Tür zu unseren Herzen öffnet und Gefühle in einer Weise vermittelt, wie dies ein oberflächlicher Auftritt nicht zu zeigen vermag. Eine solche Künstlerin ist Inga Fiolia. Wenn ich sie spielen höre, werde ich über Generationen hinweg in das mitgenommen, was das Wesen der Musik ausmacht.)

Als ich Inga für ein Interview getroffen habe, konnte ich ihr strahlendes Lachen nicht übersehen. Das Lachen vergisst man nicht so schnell. Inga`s Charakter und ihre Gesten sind wie ein harmonischer Klang in der klassischen Musik.

Wir sitzen am Rheinufer in Köln. Ein leichter Wind erzeugt sanfte Wellen auf der Wasseroberfläche des Rheins und Inga erzählt leidenschaftlich über ihre Beziehung zur Musik.

Sie ist in einer Künstlerfamilie in Tiflis, Georgien, aufgewachsen. Ihr Vater Geno Fiolia war ein bekannter Pianist, Komponist und Bandleader der berühmten Band Orera & Dielo, die im gesamten sowjetischen Raum - wie im Westen die Beatles - verehrt wurde.

„Meine Eltern waren immer sehr beschäftigt, ich war das zweite, das kleine Kind, auf das man  weniger fixiert war. Meine ältere Schwester nahmen meine Eltern häufiger mit auf Tournee. Ich blieb dagegen meistens bei meinen Großeltern. Da meine Oma eine anerkannte Klavierlehrerin war, habe ich bei ihr schon im Alter von drei Jahren die ersten Kontakte zum Klavier aufnehmen und erste musikalische Erfahrungen mit dem Klavier machen können. Zugleich war dies für mich der Beginn, die Welt zu entdecken.“


Inga
hatte schon als Kind ihre eigenen Ideen, wie man auf dem Klavier spielen könnte. Daneben wurde Inga von der Omi – als Klavierlehrerin - aber angehalten, das standardmäßige Klavierspielen zu lernen. Darüber hat sie mit ihrer Omi oft „gestritten“. Klavierspielen wie es sein muss, klappt bei einer jungen Pianistin nicht so ohne weiteres.

„Ich wusste von Anfang an, dass meine Liebe dem Klavier und nur dem Klavier galt. Meine Eltern hätten es lieber gesehen, dass ich Geige spiele, weil mein Vater und auch meine ältere Schwester schon Klavier spielten. Aber nein, ich habe immer viel auf dem Klavier improvisiert und wusste was ich daraus machen möchte.“

Im Alter von sechs Jahren ging Inga auf das Musik-Gymnasium in Tiflis und später nach Moskau zu Prof. Alexey Nasedkin (Zentrale Musikschule des Tschaikowsky Konservatoriums), wo sie in der Tradition der herausragenden Pianistenschule von Heinrich Neuhaus ausgebildet wurde.Vom zwölften bis zum siebzehnten Lebensjahr lebte Inga Fiolia mit ihrer Familie in Moskau. Diese Zeit hat sie in guter Erinnerung, auch wenn diese Zeit ihre Schattenseiten hatte.

„Ich war das Gesicht der kaukasischen Nationalität, was in Russland ein stehender Begriff ist. Mir wurden teils Steine in den Weg gelegt. In der Zeit nach dem Ende der Sowjet-Union war es für Georgier nicht so einfach, in Russland zu leben. Nichts desto trotz wollte ich mich natürlich weiter entwickeln, was aber in Russland nicht möglich war.“

Inga wollte weg. Weg von dem ungesunden musikalischen Umfeld, das sich ihr als Georgierin in Russland bot. 2001 kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie lernte in der Schule Deutsch als zweite Sprache. Aber nicht nur das war für Inga ein Grund hierher zu kommen. Vielmehr galt ihr großes Interesse den deutschsprachigen Komponisten.

Inga Fiolia
hatte hier aber – außer ihrer Familie – niemanden, der ihre Kunst gefördert hat.

„Nichts und niemanden. Alles meine pure
Leidenschaft und Träume“.

Für Inga Fiolia ist die Zeit in Deutschland unvergleichbar mit der Zeit, die sie in Russland verbracht hat. Was Deutschland für sie in erster Linie attraktiv machte, war die Möglichkeit der Menschen, ihre Meinung unabhängig und frei äußern und sich frei verhalten zu können. Es war ihr Traum, in einer individuellen freien Gesellschaft leben zu können. Und ihre Ideen konnte sie hier verwirklichen. Als sie in Deutschland am ersten Pianisten-Wettbewerb teilnahm, war ihr ganz klar, dass ihre Entscheidung hierher zu kommen, richtig war.

„Du bewirbst dich, gehst da hin und spielst. In Russland kommt das so gar nicht in Frage. Für Wettbewerbe muss man dort erst einmal von Bildungssystem zugelassen werden.“

Eine unvergessliche Erinnerung, die Inga ganz glücklich macht: Während ihres Musik-Studiums in Köln, konnte sie durch ein Stipendium einen Sommermeister-Kurs in Wien absolvieren. Dabei bekommt man Klavier-Unterricht vom Meister. Ihr Meister war Rudolf Kehrer, Russlands klassischer deutscher Pianist, der in Tiflis geboren wurde. Inga kannte diesen Künstler bis dahin nur aus den Zeitungen und fand den Pianisten toll, Weil er so viel Mut hatte zu sagen, dass Wettbewerbe eigentlich Quatsch sind.“

Inga Fiolia
hat keine Angst vor Konkurrenz. Sie ist immer froh, wenn viele neue Künstler hinzu kommen. Auf ihrer ersten CD-Einspielung spielt sie Werke des russischen Komponisten Michael Glinka. Inga ist die erste Pianistin die Glinkas Klavierwerke bekannt machen will.

„Neugier ist schuld daran, dass ich auf meiner ersten CD Musik von Glinka spiele. Ich mag es sehr, zu experimentieren, Sachen zu entdecken. Für meine Seele war Glinka immer bedeutend. Er war mein Komponist. Ich habe keine Gedanken darauf verwendet, wie sich die CD verkaufen wird. Nein! Ich wollte es unbedingt, Musik von Glinka spielen. Meine erste CD geht zurück auf meine Vergangenheit.“


Die georgischen Komponisten, die es aus Sicht von Inga Fiolia unbedingt wert sind, auch von einem breiteren Publikum entdeckt zu werden, sind: Revaz Lagidze, Sulchan Zinzadse, Aleksi Matschaweiriani, Geno Fiolia. Heute unterhält Inga Fiolia zwar keine persönlichen Kontakte nach Georgien, aber sie ist die einzige Pianistin, die in Deutschland klassische Musik georgischer Komponisten spielt. Damit nimmt sie zugleich und geradezu zwangsläufig die Rolle einer Botschafterin für klassische Musik georgischer Komponisten in Deutschland, ja in West-Europa, ein.Um bereits bei Jugendlichen und Kindern das Interesse für klassische Musik zu wecken, veranstaltet Inga Fiolia auch Konzerte in Schulen. Ihr jüngstes Publikum hatte sie anlässlich des letzten Weihnachtsfestes, als sie im Kindergarten ihres Neffen gespielt hat. Die Kinder waren von  der Musik Sergej Prokofjews ganz begeistert.

„Ich kenne nur die Möglichkeit, Menschen mit Musik anzustecken, wie ich selbst einmal angesteckt wurde. Meine Schulkonzerte sind dafür da, mit Moderation und auf unterhaltsame Weise bei den Kindern das Verständnis und vielleicht auch die Liebe zur klassischen Musik zu wecken. Musik ist ein Teil des Menschseins.“

Klänge sind für Inga Fiolia Gefühle. Da Gefühle in der Innenwelt des Menschen leben, ist diese Welt für die Pianistin sehr wichtig; für Inga Fiolia ist dies die Außenwelt. Sie steht zu ihren Gefühlen und folgt diesen. Vielleicht ist dies ja auch der Grund, weshalb ihre erste Glinka-CD die in Deutschland zurzeit meistverkaufte CD ihres Labels ist.

Mehr über Inga Fiolia: www.ingafiolia.com - mit Link zur CD-Bestellung mit Signatur und Infos zu Konzertterminen.

April 2017 Inga Khapava